Wer die Zellen baut: Hersteller, Rohstoffe und Chinas Vorsprung
Kurzfassung: Zwei chinesische Firmen bauen mehr als die Hälfte aller Batterien für Elektroautos weltweit, CATL und BYD. Bei Speicherzellen und fertigen Großspeichern sieht es ähnlich aus. Noch deutlicher ist der Vorsprung eine Stufe davor: Laut Internationaler Energieagentur kamen 2025 über 80 Prozent der Batteriezellen, rund 85 Prozent des Kathodenmaterials und über 90 Prozent des Anodenmaterials aus China. In Europa kostet ein Batteriepack 56 Prozent mehr als dort. Diese Abhängigkeit ist real. Aber sie ist eine andere als beim Gas. Eine Batterie kauft man einmal, Gas jeden Tag. Neue Zellchemien wie Lithium-Eisenphosphat und Natrium kommen ohne Kobalt und Nickel aus. Und jeder Speicher, der Wind- und Solarstrom in den Abend schiebt, ersetzt Strom aus importiertem Gas. Die Abhängigkeit verschiebt sich, sie wächst nicht automatisch.
Im dritten Teil unserer Serie ging es um Preise und Mengen. Jetzt geht es um die Frage, wer die Batterien eigentlich herstellt, woher die Rohstoffe kommen und was das für Deutschland heißt.
Zwei Firmen, mehr als die Hälfte
Das koreanische Marktforschungsinstitut SNE Research zählt jedes Jahr, wie viele Batterien in neue Elektroautos eingebaut werden. 2025 waren es weltweit 1.187 Gigawattstunden, fast ein Drittel mehr als 2024. Die größten Hersteller:
| Rang | Hersteller | Land | Anteil 2025 | Anteil Jan.–Jul. 2026 |
|---|---|---|---|---|
| 1 | CATL | China | 39,2 % | 39,9 % |
| 2 | BYD | China | 16,4 % | 14,7 % |
| 3 | LG Energy Solution | Korea | 9,2 % | 8,3 % |
| 4 | CALB | China | 5,3 % | 5,1 % |
| 5 | Gotion | China | 4,5 % | 4,7 % |
| Panasonic | Japan | 3,7 % | 3,6 % | |
| SK On | Korea | 3,7 % | 3,1 % |
CATL und BYD zusammen kamen 2025 auf 55,6 Prozent. In den ersten sieben Monaten 2026 hielten die sieben chinesischen Firmen unter den zehn größten zusammen 72,8 Prozent des Weltmarkts. Die Hersteller aus Korea und Japan verlieren Anteile. SK On ist das einzige Unternehmen unter den zehn größten, das 2026 weniger geliefert hat als im Vorjahr.
Ein europäischer Hersteller taucht in der Liste nicht auf. Der Markt in Europa wächst trotzdem schnell, von Januar bis Juli 2026 um 29 Prozent. Die Zellen dafür kommen aber zum größten Teil von chinesischen und koreanischen Firmen, auch wenn ein Teil davon in Ungarn oder Polen gefertigt wird. Wie das in Deutschland aussieht, zeigt der nächste Teil der Serie.
Bei Speichern ist es ähnlich
Für Großspeicher und Heimspeicher werden eigene Zellen gebaut, fast immer aus Lithium-Eisenphosphat. Davon wurden 2025 laut dem Marktforscher InfoLink weltweit 612 Gigawattstunden ausgeliefert, fast doppelt so viel wie im Jahr davor. Die sechs größten Hersteller, angeführt von CATL, Hithium, EVE und BYD, liefern zusammen etwa drei Viertel davon. Alle sechs kommen aus China.
Eine Stufe weiter stehen die Systemanbieter. Sie bauen aus den Zellen den fertigen Speicher: Container, Wechselrichter, Kühlung, Steuerung. Laut Wood Mackenzie hatten chinesische Systemanbieter 2025 einen Weltmarktanteil von 76 Prozent, acht der zehn größten kommen aus China. An der Spitze stehen Tesla und Sungrow, dahinter BYD. In Europa belegen Sungrow, BYD und Huawei die ersten drei Plätze.
Foto: Verdunstungsbecken für Lithium in der Salar de Atacama, Chile, aus dem All — via Wikimedia Commons — Public Domain / NASA Scientific Visualization Studio
Wo die Rohstoffe aus dem Boden kommen
Eine Lithium-Ionen-Batterie braucht vor allem Lithium und Graphit, je nach Bauart auch Nickel und Kobalt. Seltene Erden sind übrigens nicht darin, die stecken in den Magneten mancher Elektromotoren. Die Förderung verteilt sich laut dem geologischen Dienst der USA (USGS) im Jahr 2025 so:
| Rohstoff | Weltförderung 2025 | Größte Förderländer |
|---|---|---|
| Lithium | rund 290.000 t | Australien 32 %, China 21 %, Chile 19 % |
| Kobalt | 310.000 t | DR Kongo 74 %, Indonesien 14 % |
| Nickel | 3,9 Mio. t | Indonesien 67 %, Philippinen, Russland |
| Naturgraphit | 1,8 Mio. t | China 78 %, Madagaskar, Tansania |
Beim Bergbau ist das Bild also gemischt. Lithium kommt aus mehreren Ländern, die meisten davon sind keine schwierigen Partner. Bei Kobalt und Nickel hängt die Welt an je einem Land. Und beide Länder nutzen das: Die DR Kongo hat im Februar 2025 den Export von Kobalt gestoppt und erlaubt ihn seit Oktober 2025 nur noch nach Quote. Der Kobaltpreis stieg zwischen Januar 2025 und April 2026 um rund 130 Prozent. Lithium wurde im selben Zeitraum mehr als doppelt so teuer, liegt aber noch weit unter dem Höchststand von 2022.
Foto: Kobaltabbau von Hand in der Demokratischen Republik Kongo — via Wikimedia Commons — CC BY 2.5 / International Institute for Environment and Development
Verarbeitet wird in China
Das Erz allein macht noch keine Batterie. Es muss gereinigt und chemisch aufbereitet werden, bevor daraus Kathode und Anode entstehen. Bei diesem Schritt ist die Konzentration viel größer als beim Bergbau. Laut Internationaler Energieagentur hielt das jeweils größte Land bei der Raffination wichtiger Energierohstoffe 2025 im Schnitt 72 Prozent des Weltmarkts, zwei Jahre vorher waren es 70 Prozent. Dieses Land ist fast immer China, nur bei Nickel ist es Indonesien.
Dasselbe gilt für die nächsten Stufen. 2025 kamen laut IEA aus China:
- über 80 Prozent der Batteriezellen,
- etwa 85 Prozent des Kathodenmaterials,
- über 90 Prozent des Anodenmaterials.
Wo das Erz gefördert wird, ist deshalb weniger wichtig als die Frage, wo es verarbeitet wird. Wer eine Batterie kauft, egal wo sie zusammengebaut wurde, kauft fast immer ein Stück chinesische Wertschöpfung mit.
Foto: Industriepark Morowali auf Sulawesi, Indonesien, ein Zentrum der Nickelverarbeitung — via Wikimedia Commons — Public Domain / Ministerium für öffentliche Arbeiten Indonesiens
Warum Europa mehr bezahlt
Der Vorsprung zeigt sich im Preis. Laut der jährlichen Umfrage von BloombergNEF kostete ein Batteriepack 2025 im weltweiten Mittel 108 Dollar je Kilowattstunde. In China waren es 84 Dollar. In Nordamerika lag der Preis 44 Prozent höher, in Europa 56 Prozent höher.
Woran liegt das? Die IEA schreibt, dass mehr als 40 Prozent des Kostenabstands bei der Zellfertigung auf die geringere Effizienz der Fabriken in Europa zurückgehen. Chinesische Hersteller bauen seit über zehn Jahren sehr große Stückzahlen und haben dabei gelernt, wie man mit wenig Ausschuss schnell produziert. Diesen Vorsprung holt man nicht mit einer einzelnen Fabrik auf.
Für Speicher hat die Entwicklung eine angenehme Seite. Stationäre Packs kosteten 2025 nur noch 70 Dollar je Kilowattstunde, 45 Prozent weniger als ein Jahr vorher. Kein Segment war billiger. Das liegt vor allem am Wettbewerb unter chinesischen Herstellern.
Was die Chemie ändert
Die Abhängigkeit hängt stark davon ab, welche Zellen man baut. Die klassische Zelle für Elektroautos (NMC) braucht Nickel, Mangan und Kobalt. Die Lithium-Eisenphosphat-Zelle (LFP) braucht weder Nickel noch Kobalt, also genau die beiden Rohstoffe, bei denen die Förderung an einem einzigen Land hängt. LFP hatte 2025 laut IEA schon über 55 Prozent der Batterien in neuen Elektroautos. Bei stationären Speichern sind es rund 90 Prozent. Außerdem ist LFP günstiger: 81 Dollar je Kilowattstunde gegenüber 128 Dollar bei NMC (BNEF, 2025).
Lithium und Graphit braucht LFP weiterhin. Hier setzt die Natrium-Ionen-Zelle an. Sie kommt laut IEA ohne Lithium und ohne Graphit aus. Natrium gibt es in jedem Salzstock. Die Zellen speichern etwas weniger Energie pro Kilogramm, funktionieren dafür auch bei großer Kälte. Für Speicher, die nicht in ein Auto passen müssen, ist das Gewicht ohnehin zweitrangig.
Foto: Natrium-Ionen-Zellen mit je 2,5 Amperestunden — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Brihaspati
Zur besseren Einordnung: Natrium-Zellen hatten 2025 weniger als 1 Prozent am Weltmarkt. Über 95 Prozent der bis 2030 geplanten Fabriken dafür stehen in China. Einige Bauarten brauchen Nickel und Mangan, deren Verarbeitung ebenfalls auf wenige Länder konzentriert ist. Und in den meisten Anwendungen ist Natrium laut IEA noch nicht billiger als LFP. Die neue Chemie verringert den Druck bei Rohstoffen. Den Vorsprung in der Fertigung beseitigt sie nicht.
Die Abhängigkeit verschiebt sich
Die Sorge, Deutschland tausche die alte Abhängigkeit vom Gas gegen eine neue Abhängigkeit von Batterien aus China, ist verständlich. Ein Vergleich hilft.
Deutschland hat 2025 laut dem Branchenverband BVEG nur 4,8 Prozent seines Erdgases selbst gefördert. Der Rest kommt aus dem Ausland. Dieses Gas wird verbrannt und ist danach weg. Fällt ein Lieferant aus, fehlt das Gas am nächsten Tag. 2022 hat das ganze Land erlebt, was das kostet.
Eine Batterie wird einmal gekauft und arbeitet dann viele Jahre. Fällt ein Lieferant aus, laufen alle bereits gebauten Speicher weiter. Es fehlen nur die neuen. Und am Ende ihres Lebens sind Lithium, Nickel und Kobalt noch da und lassen sich zurückgewinnen.
Entscheidend ist, wofür ein Speicher eingesetzt wird. Ein Speicher, der mittags Solarstrom aufnimmt und abends abgibt, ersetzt am Abend Strom aus Gaskraftwerken. Ein Elektroauto, das in einer windigen Nacht lädt statt am frühen Abend, macht dasselbe. Jede so verschobene Kilowattstunde ist Gas, das nicht importiert werden muss. Die Abhängigkeit wandert dabei vom laufenden Brennstoff zur einmal gekauften Anlage. Das ist eine andere Art von Abhängigkeit, und eine kleinere.
Daraus folgt für uns:
- Die Speicher nutzen, die da sind. In Deutschland stecken schon heute über 150 Gigawattstunden Batterie in Elektroautos und Plug-in-Hybriden. Alle Großspeicher zusammen haben knapp 8. Diese Batterien sind längst gekauft und bezahlt. Werden sie in Überschussstunden geladen, ersetzen sie Gas, ohne dass dafür eine einzige Zelle zusätzlich importiert werden muss. Das Werkzeug dafür ist § 13k EnWG, „Nutzen statt Abregeln".
- LFP und Natrium bevorzugen, wo es passt. Für Quartierspeicher und Großspeicher spielt das Gewicht keine Rolle. Dort kann man auf Zellen setzen, die ohne Kobalt, Nickel oder sogar ohne Lithium auskommen.
- Speicher dorthin, wo sie Gas ersetzen. Ein Quartierspeicher an der Ortsnetzstation, der Solarstrom aus dem Viertel in den Abend schiebt, ersetzt Gas und entlastet zugleich das Netz.
Wie es um die Zellfertigung in Deutschland steht, von Varta über Northvolt bis PowerCo, steht im nächsten Teil.
Unsere Serie über Batteriespeicher: 1. Was ein Speicher leistet · 2. Von Blei bis Natrium · 3. Preise und Mengen · 4. Wer die Zellen baut · 5. Deutschland und die Batterie · 6. Wo Deutschland steht · 7. Was der Batterieforscher sagt · 8. Blockgebote und der Speicher-Simulator
Steht das Windrad, steht der Standort!
Quellen
- SNE Research via CnEVPost, 4. Februar 2026: Global EV battery market share 2025 — cnevpost.com
- SNE Research via CnEVPost, 7. September 2026: Global EV battery market share Jan–Jul 2026 — cnevpost.com
- InfoLink: Global energy storage cell shipment ranking 2025 — infolink-group.com
- Wood Mackenzie, 2026: Chinese integrators 76 % global dominance in 2025 — woodmac.com
- U.S. Geological Survey: Mineral Commodity Summaries 2026 — Lithium, Kobalt, Nickel, Graphit
- Internationale Energieagentur: Global Critical Minerals Outlook 2026, Executive Summary — iea.org
- Internationale Energieagentur: Global EV Outlook 2026, Manufacturing and trade — iea.org
- Internationale Energieagentur: Global EV Outlook 2026, Electric vehicle batteries — iea.org
- Internationale Energieagentur: Sodium-ion battery momentum grows, but challenges remain — iea.org
- BloombergNEF, 9. Dezember 2025: Lithium-ion battery pack prices fall to $108 per kilowatt-hour — bnef.com
- BVEG, 12. Mai 2026: Jahresbericht 2025, Erdgasproduktion in Deutschland — bveg.de
- RWTH Aachen: Battery Charts und Mobility Charts — battery-charts.de
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Wer die Zellen baut: Hersteller, Rohstoffe und Chinas Vorsprung
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