Preise und Mengen: was eine Kilowattstunde Speicher kostet und wie viel davon es gibt
Kurzfassung: 2010 kostete ein Lithium-Ionen-Batteriepack laut BloombergNEF über 1.100 Dollar je Kilowattstunde. 2025 waren es im Schnitt 108 Dollar, für stationäre Speicher sogar nur 70 Dollar. Damit sind Speicher erstmals das billigste Segment des ganzen Batteriemarkts. 2026 legt der Preisverfall eine Pause ein, weil Lithium und Zellen in China wieder teurer werden. Gebaut wird trotzdem so viel wie nie: 2025 kamen weltweit erstmals über 100 Gigawatt Batteriespeicher dazu, mehr als die Hälfte davon in China, und die Fabriken könnten weit mehr liefern, als gekauft wird. Unser Befund: Am Preis scheitert der Speicher nicht mehr. Was fehlt, sind Netzanschlüsse und Regeln, die ihn dort laden lassen, wo Strom übrig ist.
In Teil 2 ging es um die Chemie: wie aus dem Bleiakku die Lithium-Eisenphosphat-Zelle wurde und warum Natrium als Nächstes kommt. Dieser Teil fragt, was das alles kostet und wie viel davon auf der Welt steht.
Die meisten Preise stammen aus der jährlichen Umfrage von BloombergNEF, einem Analysehaus für Energiemärkte. Es rechnet in Dollar und passt ältere Werte jedes Jahr an die Inflation an, deshalb weichen sie zwischen den Ausgaben leicht voneinander ab.
Von über 1.100 auf 108 Dollar
| Jahr | Preis je kWh (Pack, Durchschnitt aller Anwendungen) |
|---|---|
| 2010 | über 1.100 $ (Internationale Energieagentur: 1.400 $) |
| 2018 | 176 $ |
| 2020 | 137 $ |
| 2022 | 151 $ (erster Anstieg seit Beginn der Umfrage) |
| 2023 | 139 $ |
| 2024 | 115 $ |
| 2025 | 108 $ |
Quelle: BloombergNEF, Battery Price Survey der jeweiligen Jahre; Wert für 2010 aus der Ausgabe 2020
Die Internationale Energieagentur fasst es so zusammen: Zwischen 2010 und 2025 sind Batterien um über 90 Prozent billiger geworden.
Hinter dieser Kurve steckt eine Regel, die Fachleute Lernrate nennen. Jedes Mal, wenn sich die Menge aller jemals gebauten Batterien verdoppelt, sinkt der Preis laut BloombergNEF um etwa 18 Prozent. Eine eigene Beispielrechnung: Bei 108 Dollar heute würde die nächste Verdopplung den Preis auf rund 89 Dollar drücken. BloombergNEF selbst warnt aber davor, jeden Preissprung der Lernrate zuzuschreiben. Den kräftigen Rückgang 2023 erklärte das Haus eher mit zu vielen Fabriken bei schwacher Nachfrage.
Speicher sind das billigste Segment
2025 brachte eine Premiere. Packs für stationäre Speicher kosteten laut BloombergNEF im Schnitt 70 Dollar je Kilowattstunde, 45 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit waren sie erstmals billiger als Akkus für Elektroautos (99 Dollar). Der Hauptgrund ist die Chemie: Speicher nutzen fast nur noch Lithium-Eisenphosphat (LFP), und LFP-Packs kosteten 81 Dollar, Packs mit Nickel und Kobalt 128 Dollar.
Auch der Ort der Fertigung macht einen Unterschied. In China kostete ein Pack 2025 im Schnitt 84 Dollar, in Europa 56 Prozent mehr, also etwa 131 Dollar.
Ein Pack ist aber noch kein Speicher. Dazu kommen Wechselrichter, Container, Kühlung, Transformator, Bau und Netzanschluss. Die Denkfabrik Ember hat Ende 2025 nachgerechnet, was ein großer Speicher außerhalb Chinas und der USA komplett kostet: rund 125 Dollar je Kilowattstunde. Davon entfallen etwa 75 Dollar auf die Technik, die aus China kommt, und etwa 50 Dollar auf Aufbau und Netzanschluss. Die Zelle selbst kostete in China zu der Zeit nur rund 40 Dollar.
Wie stark das gefallen ist, zeigt ein Vergleich von Ember: 2010 kostete ein fertig installierter LFP-Speicher im weltweiten Schnitt 2.634 Dollar je Kilowattstunde, 2025 noch 140 Dollar. In China liegen die Preise noch einmal deutlich darunter. Bei einer Ausschreibung des Energiekonzerns Huadian über 12 Gigawattstunden im März 2026 lag das mittlere Gebot bei umgerechnet 78,8 Dollar je Kilowattstunde für das komplette Speichersystem.
Was heißt das für eine einzelne Kilowattstunde, die eingespeichert und später wieder abgegeben wird? Ember kommt auf Speicherkosten von 65 Dollar je Megawattstunde, nach unserer Umrechnung also rund 6,5 US-Cent je Kilowattstunde. Angenommen sind 20 Jahre Laufzeit, 7 Prozent Zins, 90 Prozent Wirkungsgrad und knapp ein Ladezyklus am Tag.
Foto: Containerspeicher der Anlage RENS — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Nicolasrodel
2026: der Preisverfall macht Pause
Seit Herbst 2025 zeigen die Preise in China wieder nach oben. Eine typische LFP-Speicherzelle mit 314 Amperestunden kostete laut dem Marktbeobachter InfoLink Ende Oktober 2025 0,300 Yuan je Wattstunde, umgerechnet etwa 42 Dollar je Kilowattstunde. Am 20. April 2026 waren es 0,365 Yuan, 22 Prozent mehr in sechs Monaten.
Foto: LFP-Speicherzelle von CATL mit 302 Amperestunden — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Aeroid
Die Gründe:
- Lithium. Lithiumcarbonat kostete in China im Oktober 2025 im Schnitt 73.550 Yuan je Tonne, am 26. Januar 2026 schon 181.500 Yuan. Laut Internationaler Energieagentur hat sich der Lithiumpreis zwischen Januar 2025 und April 2026 mehr als verdoppelt, vor allem wegen der starken Nachfrage aus Speichern. Er liegt allerdings immer noch rund 70 Prozent unter seinem Höchststand von 2022.
- Volle Fabriken. Die großen Hersteller waren im ersten Quartal 2026 so ausgelastet, dass Lieferungen knapp wurden. China baut selbst stark aus, und Exporte wurden vorgezogen, weil die Steuerrückerstattung für ausgeführte Batterien sinkt.
- Kobalt. Für Zellen mit Kobalt kommt hinzu, dass der Kobaltpreis im selben Zeitraum um rund 130 Prozent gestiegen ist, nachdem die Demokratische Republik Kongo die Ausfuhr beschränkt hat. LFP-Zellen trifft das nicht.
Auch ganze Speichersysteme werden in China teurer. Bei der Huadian-Ausschreibung im März 2026 lagen die Gebote im Schnitt 10,6 Prozent über denen des Vorjahres. Im August 2026 sprangen die mittleren Preise für Zwei-Stunden-Systeme noch einmal um ein Drittel gegenüber Juli. Ein einzelner Monat hängt allerdings stark davon ab, welche Projekte gerade vergeben werden.
Foto: Lithiumcarbonat, der Grundstoff, dessen Preis sich seit Anfang 2025 mehr als verdoppelt hat — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 2.0 / Aariuser I
Ist das das Ende des Preisverfalls? Die Geschichte spricht dagegen. 2022 stiegen die Packpreise schon einmal um 7 Prozent, weil Rohstoffe teuer waren. Ein Jahr später fielen sie um 14 Prozent und danach weiter. BloombergNEF hatte im Dezember 2025 für 2026 noch einen leichten Rückgang auf 105 Dollar erwartet. Die nächste Umfrage erscheint voraussichtlich im Dezember 2026. Selbst ein deutlicher Anstieg ändert wenig daran, dass Batterien heute rund 90 Prozent billiger sind als 2010.
Wie viel gebaut wird
2025 war das Jahr, in dem Batteriespeicher die Marke von 100 Gigawatt Zubau übersprungen haben. Die großen Marktbeobachter zählen leicht unterschiedlich, liegen aber nah beieinander:
| Quelle | Zubau 2025 | Wachstum zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Internationale Energieagentur | 108 GW | rund +40 % |
| BloombergNEF | 112 GW / 307 GWh | +48 % |
| Wood Mackenzie | 106 GW | +43 % |
Zum Vergleich: Um von 10 auf über 100 Gigawatt Jahreszubau zu kommen, brauchten Batteriespeicher laut BloombergNEF vier Jahre. Bei der Solarenergie waren es etwa acht, bei der Windkraft etwa fünfzehn Jahre.
Mehr als die Hälfte davon entstand in China: laut BloombergNEF und Wood Mackenzie 54 Prozent, nach Zählung der Internationalen Energieagentur gut 63 Gigawatt. Die USA kamen auf 19 Gigawatt, Australien auf fast 8, Europa nur auf etwa 6,2 Gigawatt. Wie weit die Regionen auseinanderliegen, zeigt der Anteil der Batterien an der Leistung, die sich nach Bedarf abrufen lässt: In Australien sind es 18 Prozent, in China 7, in den USA 5 und in Europa 4 Prozent.
Insgesamt standen Ende 2025 nach Zählung von Wood Mackenzie rund 270 Gigawatt mit 630 Gigawattstunden. Zwei Jahre zuvor, Ende 2023, waren es laut Internationaler Energieagentur erst 85 Gigawatt. Die Anlagen werden dabei größer und speichern länger: Neue Projekte können ihre volle Leistung im Schnitt etwa drei Stunden lang abgeben, 2023 waren es noch zwei. Für 2026 erwartet BloombergNEF 158 Gigawatt Zubau mit 459 Gigawattstunden.
Foto: Containerspeicher großer Kapazität für Gewerbe und Industrie — via Wikimedia Commons — CC0 / Yan lance
Mehr Fabriken als Käufer
Der größte Teil aller Batterien geht weiter in Fahrzeuge. 2025 wurden laut Internationaler Energieagentur Elektroauto-Batterien mit 1,2 Terawattstunden verbaut, das waren über 70 Prozent aller Batterien. Die gesamte Nachfrage lag bei über 1,5 Terawattstunden.
Die Fabriken könnten deutlich mehr. Schon 2024 lag die weltweite Kapazität für Batteriezellen laut BloombergNEF bei 3,1 Terawattstunden, also beim 2,5-Fachen der Nachfrage. Über 80 Prozent der Zellen kamen 2025 aus China. Dieser Überhang ist einer der Gründe, warum die Preise so tief gefallen sind. Wer die Zellen baut und was das für Europa bedeutet, steht in Teil 4.
Wohin es bis 2030 und 2035 geht
Prognosen sind unsicher, und die Spanne ist groß. Die wichtigsten veröffentlichten Werte für stationäre Batteriespeicher weltweit:
| Quelle | Wert |
|---|---|
| Internationale Energieagentur (2024) | 1.200 GW im Jahr 2030 nötig, um die Verdreifachung der erneuerbaren Energien zu schaffen (14-mal so viel wie 2023) |
| Wood Mackenzie | 1.545 GW im Jahr 2034 |
| BloombergNEF (Mai 2026) | 308 GW Zubau allein im Jahr 2036; Bestand Ende 2036 rund 2.870 GW mit 10.500 GWh |
Zusammengefasst: Von etwa 270 Gigawatt Ende 2025 könnte der Bestand bis Mitte der 2030er Jahre auf das Sechs- bis Zehnfache wachsen.
Und der Preis? Die Internationale Energieagentur erwartete 2024, dass Batterien zwischen 2023 und 2030 um weitere 40 Prozent billiger werden. Ausgehend von 139 Dollar wären das nach unserer Rechnung gut 80 Dollar. Ältere Ausgaben von BloombergNEF nannten für 2030 Werte zwischen 58 und 80 Dollar. Ein Korridor von etwa 60 bis 90 Dollar je Kilowattstunde für Packs im Jahr 2030 liegt damit innerhalb der veröffentlichten Prognosen. Stationäre Packs waren mit 70 Dollar schon 2025 mittendrin.
Die Erfahrung mit früheren Prognosen mahnt zu Gelassenheit in beide Richtungen. BloombergNEF sagte 2020 für 2023 einen Preis von 101 Dollar voraus, tatsächlich wurden es 139. 2023 sagte das Haus für 2025 einen Preis von 113 Dollar voraus, tatsächlich wurden es 108. Im Mittel folgen die Preise der Lernkurve, im einzelnen Jahr schwanken sie mit Lithium und Kobalt.
Der Engpass ist nicht der Preis
Rund 6,5 US-Cent kostet es nach Ember, eine Kilowattstunde Sonnenstrom vom Mittag in den Abend zu verschieben. Am Preis der Batterie scheitert die Energiewende nicht mehr.
Woran es hakt, steht schon in der Rechnung von Ember. Von 125 Dollar für einen fertigen Speicher entfallen 50 Dollar auf Aufbau und Netzanschluss. Dieser Teil wird nicht durch Massenfertigung in China billiger. Er hängt davon ab, wie schnell ein Netzbetreiber einen Anschluss zusagt und unter welchen Bedingungen. Und er hängt an den Regeln: ob ein Speicher nur den bundesweiten Börsenpreis sieht oder auch den Engpass vor Ort, wie in Teil 1 beschrieben. Es hängt daran, ob ein Quartierspeicher Netzentgelte zahlen muss, als wäre er ein Verbraucher. Und daran, ob Elektroautos in den Stunden laden dürfen, in denen sonst Windräder gedrosselt werden. Dafür gibt es § 13k, „Nutzen statt Abregeln".
Die Batterie ist da, und sie ist billig. Was Deutschland daraus macht, wo die Anschlüsse fehlen und welche Regeln im Weg stehen, zeigt Teil 6.
Unsere Serie über Batteriespeicher: 1. Was ein Speicher leistet · 2. Von Blei bis Natrium · 3. Preise und Mengen · 4. Wer die Zellen baut · 5. Deutschland und die Batterie · 6. Wo Deutschland steht · 7. Was der Batterieforscher sagt · 8. Blockgebote und der Speicher-Simulator
Steht das Windrad, steht der Standort!
Quellen
- BloombergNEF, 9. Dezember 2025: Lithium-ion battery pack prices fall to $108 per kilowatt-hour — bnef.com
- BloombergNEF, 10. Dezember 2024: Lithium-ion battery pack prices see largest drop since 2017, falling to $115 — bnef.com
- BloombergNEF, November 2023: Lithium-ion battery pack prices hit record low of $139 — bnef.com
- BloombergNEF, 2022: Lithium-ion battery pack prices rise for first time to an average of $151 — bnef.com
- BloombergNEF, 16. Dezember 2020: Battery pack prices cited below $100/kWh for the first time — bnef.com
- BloombergNEF: Behind the scenes take on lithium-ion battery prices (Lernrate) — bnef.com
- electrive, 9. Dezember 2025: Battery prices will continue to fall at slower rate — electrive.com
- Ember, 11. Dezember 2025: How cheap is battery storage? — ember-energy.org
- Ember, 12. August 2026: Batteries have unlocked the era of anytime solar — ember-energy.org
- ESS News, 11. März 2026: China Huadian announces winners of 12 GWh energy storage tender — ess-news.com
- ESS News, 22. April 2026: China's 314 Ah storage cell prices climb more than 20 % in six months — ess-news.com
- EnergyTrend, 10. September 2026: Ausschreibungen für Energiespeicher im August 2026 — energytrend.com
- Internationale Energieagentur: Global Critical Minerals Outlook 2026, Executive Summary — iea.org
- Internationale Energieagentur: Sodium-ion battery momentum grows, but challenges remain (Lithiumpreis gegenüber 2022) — iea.org
- Internationale Energieagentur, 29. Mai 2026: Battery storage is scaling up and taking on a larger system role — iea.org
- BloombergNEF: Energy storage enters the 100-gigawatt era — bnef.com
- pv magazine, 11. Mai 2026: BloombergNEF confirms energy storage has reached the 100 GW era — pv-magazine.com
- Wood Mackenzie: Global energy storage market surpasses 100 GW annual installation milestone in 2025 — woodmac.com
- Internationale Energieagentur, 2024: Batteries and Secure Energy Transitions — iea.org
- Internationale Energieagentur: Global EV Outlook 2026, Electric vehicle batteries — iea.org
- Internationale Energieagentur: Global EV Outlook 2026, Manufacturing and trade — iea.org
- Internationale Energieagentur: Global Critical Minerals Outlook 2026, Market overview — iea.org
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Preise und Mengen: was eine Kilowattstunde Speicher kostet und wie viel davon es gibt
https://ladefreun.de/blog/236-preise-und-mengen/
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