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Ausgabe vom 4. Oktober 2026. Zahlen und Fristen stehen auf dem Stand dieses Tages.
 
Ladefreunde

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Hallo zusammen,

es gibt ein Wort, das seit Jahren durch jede Energiedebatte läuft: Zappelstrom. Geprägt hat es der Ökonom Hans-Werner Sinn, gemeint ist der Strom aus Wind und Sonne, und das Wort wirkt, weil es ein Bild setzt — etwas Unstetes, auf das kein Verlass ist.

Diese Ausgabe nimmt das Wort wörtlich und schaut nach, auf welches Stromsystem es passt.

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1. Zappelstrom heißt Schwankung — und Schwankung ist ein Preisthema

Das Wort beschreibt Volatilität: Die Erzeugung folgt dem Wetter, nicht der Nachfrage. Das stimmt.

Nur gibt es für ein Gut, das mal reichlich und mal knapp ist, ein bekanntes Instrument, und es kommt aus der Volkswirtschaftslehre: den Preis. Wer die Schwankung zum Kernproblem erklärt, müsste als erster ein starkes Preissignal bis zum Verbraucher fordern.

Wir haben deshalb alle 26.204 Viertelstunden dieses Jahres bis Ende September ausgewertet und neben jeden Börsenpreis gestellt, wie viel von der Last gerade aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse kam:

BörsenpreisStundenMittelpreisErneuerbare an der Last
unter 0 Cent463−1,7 ct119 %
0 bis 7,7 Cent1.1003,5 ct97 %
7,7 bis 10,8 Cent1.4529,5 ct63 %
10,8 bis 30 Cent3.49214,8 ct44 %
30 bis 50 Cent3436,0 ct22 %
über 50 Cent1059,9 ct19 %

Die letzte Spalte fällt ohne einen einzigen Ausreißer. Je teurer der Strom, desto weniger Erneuerbare stecken darin. In den zehn teuersten Stunden des Jahres kamen 19 Prozent der Last aus erneuerbarer Erzeugung — den Rest lieferte überwiegend Gas, und Gas setzt dann den Preis.

Der Vorwurf steht also auf dem Kopf: Nicht der Zappelstrom macht Strom teuer. Teuer wird es, wenn er fehlt.

Und wir? Zahlen in allen sechs Zeilen dasselbe — und beide Seiten gehören nebeneinander:

Stunden
billiger als die Einspeisevergütung einer neuen Solaranlage1.563
teurer als der Jahresdurchschnitt3.536
über 20 Cent335
über 30 Cent44

Von den 1.563 günstigen Stunden hatte niemand etwas, weil kein Haushaltstarif sie weitergibt. Die 3.536 teuren kommen an, nur zeitversetzt: Sie heben den Beschaffungsdurchschnitt, aus dem der Tarif des nächsten Jahres gerechnet wird. Was in diesem Jahr teuer war, steht im nächsten auf der Rechnung. Billig wird weggemittelt, teuer wird weitergereicht.

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2. „Als gäbe es kein Morgen"

Die zweite These dazu ist älter und heißt das grüne Paradoxon: Wer weniger Öl kaufen will, entwertet das Vermögen derer, die es besitzen — also fördern sie schneller, solange sich noch Geld damit verdienen lässt. Je weniger wir verbrauchen, desto billiger wird es für andere.

Die Überlegung hat eine Voraussetzung, die nicht ausgesprochen wird: dass das fossile System das billigere sei und der Wechsel ein Verzicht. Diese Annahme stimmt nicht, und sie lässt sich einfach entkräften.

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3. Diese Voraussetzung gilt nicht mehr

Gerechnet ohne jeden Klimaeffekt — keine Schäden, keine Folgekosten, keine Kriegskosten. Nur das, was jemand bezahlt. Stromerzeugungskosten in Deutschland nach der Erhebung des Fraunhofer ISE:

je Kilowattstunde
Wind an Land4,3 – 6,9 Cent
Solar4,1 – 9,2 Cent
Erdgas (GuD-Kraftwerk)10,9 – 18,1 Cent
Kohle15,1 – 29,3 Cent

Die günstigste fossile Erzeugung beginnt dort, wo die teuerste erneuerbare aufhört. Und die beiden Linien laufen auseinander.

Beim Fahren kommt die zweite Hälfte der Rechnung dazu, über die ganze Kette von der Quelle bis zum Rad — Förderung, Tanker, Raffinerie, Verteilung. Am Rad ankommen: beim Verbrenner 18 bis 25 Prozent der eingesetzten Energie, beim Elektroauto rund 64.

Jetzt kommt reflexhaft der Einwand: Das seien nur die Erzeugungskosten, die Systemkosten drehten das Ergebnis. Der Einwand ist berechtigt — er muss dann aber für beide Seiten gelten. Das Engpassmanagement im Stromnetz kostete 2025 rund 3,1 Milliarden Euro. Knapp 1,4 Milliarden davon gingen an Reservekraftwerke — Anlagen, die am Markt nicht mehr mitspielen und nur noch für Notfälle bereitstehen, etwa in Mannheim oder am Main. Knapp 1,2 Milliarden kostete der konventionelle Redispatch: Kraftwerke, die am Markt laufen und auf Anweisung des Netzbetreibers hinter einem Engpass hochfahren, während davor gedrosselt wird. Die Entschädigung für abgeregelte Wind- und Solaranlagen machte 0,4 Milliarden aus.

„Die gibt es doch nur wegen Wind und Sonne", heißt es dann. Ausgelöst wird der Engpass tatsächlich oft vom Wetter. Er entsteht aber, weil der Strom nicht dort verbraucht wird, wo er anfällt — und die Antwort darauf muss nicht die nächste Leitung sein, sondern Verbrauch, der dem Strom folgt. Ähnlich bei den negativen Preisen: Sie entstehen mittags, wenn viel Solarstrom auf zu wenig flexible Nachfrage trifft. Verschärft wird das von allem, was nicht auf den Preis reagiert — rund 7 Gigawatt fossile Kraftwerke, die selbst bei negativen Preisen weiterlaufen, gut 3 davon Braunkohle, aber auch kleine Dachanlagen mit fester Vergütung. Für die Dachanlagen gibt es längst Lösungen: Heimspeicher, die netzdienlich laden, wie es Andreas Schmitz, der Akkudoktor, in seiner Petition fordert, Quartierspeicher und die rollenden Speicher, die wir ins Spiel bringen. Eine Solaranlage drosselt sich in Sekunden, eine auf dem Dach lädt ihren Strom bestenfalls direkt ins Auto. Ein Braunkohleblock kann beides nicht — er pumpt ihn unweigerlich ins Netz. Verursachergerecht fordern wir deshalb, dass träge Kraftwerke ihre Nennleistung zehn Stunden lang lokal einspeichern können müssen. Die Idee stammt nicht von EnBW, aber sie ist dennoch gut.

Die Rechnung für fehlende Flexibilität zahlen alle über die Netzentgelte — verursacht wird sie von allem, was nicht auf Preis und Netz reagieren kann.

Damit fällt die These. Wer heute wechselt, verzichtet auf nichts.

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4. Einmal zahlen oder jedes Jahr zahlen

Ein Windrad und eine Batterie kosten einmal. Danach laufen sie zwanzig Jahre, und der Brennstoff kostet nichts.

Ein Gasfeld und eine Raffinerie kosten jedes Jahr wieder — und zwar nicht uns, sondern die, an die wir überweisen. Deutschland hat 2024 netto rund 76 Milliarden Euro für fossile Importe ins Ausland gezahlt. Etwa 900 Euro je Einwohner. In einem Jahr.

Der übliche Einwand lautet, die hohen Preise seien vorübergehend. Mag sein. An der Struktur ändert das nichts: Beim Modul auf dem Dach kostet die nächste Kilowattstunde null, weil sie zwanzig Meter weiter verbraucht wird. Beim Öl steht an jeder Station ein Preis — Förderung, Tanker durch Hormus und Bab al-Mandab, Raffinerie, und ein Netz aus 14.314 Tankstellen. Vier Stationen mit laufenden Kosten werden auf Dauer nicht billiger als keine.

Kosten oder Investition — was am Ende dasteht →
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5. Astrostrom

Für das andere System fehlte uns ein Wort. Wir nennen es Astrostrom: das Stromsystem, dessen Preise nur eine Richtung kennen — nach oben, astronomisch, und keiner weiß vorher, wie weit.

Der europäische Gaspreis lag vor der Krise bei 15 bis 25 Euro je Megawattstunde. Im August 2022 stand er über 340. Heute bei rund 73. Faktor siebzehn hoch, fast Faktor fünf runter, alles in fünf Jahren. Ein exzellentes Beispiel für unberechenbaren Strom, der von der Allgemeinheit abgesichert und über Umlagen bezahlt werden muss.

Der nächste Ausschlag ist angelegt: Die deutschen Gasspeicher sind Ende September zu knapp 58 Prozent gefüllt — vor einem Jahr waren es rund drei Viertel. Anfang September war es der niedrigste Stand zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen. Für einen normalen Winter braucht es zum 1. November rund 77 Prozent.

Beim Öl dasselbe Bild. Mitte September stand Brent bei 108 Dollar, und der ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski warnte am 14. September: „Wenn wir länger über 110 Dollar bleiben, dann kommen wir den drei Euro beim Diesel leider gefährlich nahe." Heute liegt Brent um 100 Dollar — obwohl die Straße von Hormus wieder befahren wird. In dieser Woche drohte der amerikanische Präsident mit einem Exportstopp für Diesel, bis Europa seine Reserven freigab; von LNG war noch nicht die Rede. Die Antwort der Bundesregierung ist nicht weniger Verbrauch, etwa durch ein Tempolimit, sondern ein zweiter Tankrabatt — bis zu 17 Cent je Liter, rund 2,5 Milliarden Euro bis Jahresende — und Diesel aus den Notreserven.

Wozu es Ölreserven gibt — und wie China seine gerade einsetzt →

Daneben: Eine Solaranlage, die heute ans Netz geht, bekommt gerade einmal 7,70 Cent je Kilowattstunde. Zwanzig Jahre lang, festgeschrieben, unabhängig von Pipelines und Wetterlagen.

Auf der anderen Seite rechnet die Strombörse für das kommende Jahr mit deutlich teurerem Strom: Für 2027 kostet die Megawattstunde am Terminmarkt Anfang Oktober rund 128 Euro, ein Fünftel mehr als im Schnitt dieses Jahres, für die Wintermonate bis zu zwei Drittel mehr (aktuelle Terminpreise). Das kommt mit Verzögerung auf den Haushaltsrechnungen an.

Und darauf gehen wir eine Wette ein. Bleiben die Preise auf diesem Weg, liefern neue Wind- und Solaranlagen dem EEG-Konto einen Gewinnbeitrag, statt es zu belasten — der Netzbetreiber verkauft ihren Strom an der Börse, der Betreiber bekommt seine 7,70 Cent, der Rest bleibt im Konto. Aus dem angeblichen Problem wird ein Segen. Ganz so weit ist es noch nicht: Solarstrom erzielte im August im Schnitt 6,4 Cent — gut einen Cent mehr als im Juli. Größere Neuanlagen müssen nach dem neuen EEG in Hochpreisjahren sogar zurückzahlen. Bisher hieß es immer, solche Gewinne seien für weitere Investitionen wichtig. Also Investitionen in fossile Anlagen ja, in erneuerbare nein? Aber kleine Dachanlagen fallen aus dem System: keine Vergütung mehr, Einspeisung auf die Hälfte gedeckelt. Ihr Strom, der in teuren Jahren das EEG-Konto entlasten könnte, wird so gar nicht erst erzeugt — oder bleibt in der Bürokratie hängen. Und nebenbei beschert dieselbe Merit-Order, die sonst kritisiert wird, den Kraftwerksbetreibern bei hohen Gaspreisen einen Profitregen: Das Gaskraftwerk setzt den Preis, alle günstigeren bekommen ihn auch.

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6. Der Nebeneffekt, der keiner ist

Eine Größe kommt in keiner Kostenrechnung vor und hat in den letzten Jahren am meisten gekostet: wovon die Versorgung abhängt.

Ein Windrad in Schleswig-Holstein und ein Dach in Bayern gehören jemandem, der hier wohnt und hier Steuern zahlt. Eine Gaslieferung hängt an einer Pipeline, einer Meerenge und an Regierungen, die Lieferungen schon als politisches Mittel eingesetzt haben — 2022 kostete uns das 146 Milliarden Euro Importrechnung.

Schwankende Erzeugung ist ein Planungsproblem mit bekannten Werkzeugen. Eine Lieferbeziehung, die jemand anderes abstellen kann, ist keins.

Zappelstrom ist schön. Am Gängelband von Autokraten zappeln hingegen nicht.

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7. Wer zappelt hier

Unstet, unberechenbar, mit großen Ausschlägen — das beschreibt ziemlich genau ein Stromsystem. Nur nicht das mit Wind und Sonne.

Die erneuerbare Erzeugung schwankt im Tagesverlauf, und zwar vorhersagbar. Die fossile Versorgung schwankt im Preis, unvorhersagbar, um den Faktor siebzehn.

Das eine ist eine Aufgabe mit bekannter Lösung: den Überschuss dann verbrauchen, wenn er da ist — genau darum geht es bei unserem Vorschlag zum § 13k. Das andere ist ein Risiko, das bleibt, solange man in dem System bleibt.

Den ganzen Beitrag lesen: Zappelstrom gegen Astrostrom →
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Zum Schluss: Danke

Zweimal haben wir euch in den letzten Wochen gebeten, euch bei der Bundesnetzagentur selbst zu Wort zu melden.

Zur neuen Netzentgeltsystematik, kurz AgNes, sind über unsere Mitmachseite 159 Stellungnahmen fertig geworden und eingegangen. Das ist kein Klick und kein Daumen hoch. Das ist jedes Mal jemand, der sich in ein Festlegungsverfahren eingelesen und eigene Sätze formuliert hat.

Zum Szenariorahmen für den Netzentwicklungsplan, kurz NEP — der Grundlage dafür, welches Stromnetz 2045 geplant wird —, konntet ihr bis zum 28. September selbst schreiben. Danke an alle, die das getan haben.

Aktives Engagement für die Energiewende — danke noch einmal für eure Unterstützung.

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Wenn dir jemand den Zappelstrom vorhält: Diese Mail weiterleiten reicht.

Petition →

Sonnige Grüße, das Ladefreunde-Team

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