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Ausgabe vom 23. September 2026. Zahlen und Fristen stehen auf dem Stand dieses Tages.
 
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Hallo zusammen,

am 5. September war der Gasspeicher Rehden zu 9,1 Prozent gefüllt. Rehden ist der größte Gasspeicher Deutschlands, er fasst allein rund ein Fünftel der nationalen Kapazität — und er gehört dem Bund.

Füllen muss ihn trotzdem niemand.

Diese Ausgabe erzählt, wie es dazu kam. Es ist eine Geschichte über elf Jahre, in denen dieselbe Anlage dreimal etwas anderes war: Handelsware, Notlage, Kostenstelle. Fünf Beiträge zur Vorgeschichte, einer pro Station — und einer zur Lage von heute.

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1. Der Speicher, den der Bund zurückkaufen musste

2015 verkaufte die BASF-Tochter Wintershall ihr Gashandelsgeschäft an Gazprom — und mit ihm den Speicherbetreiber astora, also Rehden, Jemgum und den Anteil an Haidach. Sie bekam dafür Förderanteile in Westsibirien.

Die Bundesregierung hatte nichts einzuwenden. In einem Brief an den BASF-Vorstandsvorsitzenden vom 19. August 2015 schrieb der damalige Bundeswirtschaftsminister, gegen den Tausch bestünden „keine energiepolitischen Bedenken". Im Ministerium selbst waren zu dieser Zeit Bedenken vermerkt, „im Hinblick auf die öffentliche Ordnung und die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland". Dazu kam eine Investitionsgarantie über 1,8 Milliarden Euro für die Sibirien-Investition. Die Annexion der Krim lag siebzehn Monate zurück.

Wie das endete, steht in einer Zahlenreihe. Am 1. November 2021 war Rehden zu 9,5 Prozent gefüllt, während Jemgum — ebenfalls Gazprom — bei 83 Prozent lag. Im April 2022 war er praktisch leer. Zwei Tage darauf stellte der Bund das Unternehmen unter Treuhand, im November übernahm er es ganz.

Der größte Gasspeicher des Landes ist zu neun Prozent gefüllt — der Verkauf, der Brief und was seither mit dem Speicher passiert ist

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2. Die Grenze, die keiner aufhob

Der Verkauf von 2015 stand am vorläufigen Ende einer langen Linie.

Am 1. Februar 1970 unterschrieben Mannesmann, Ruhrgas und die Deutsche Bank in Essen den ersten Vertrag: deutsche Großrohre gegen sowjetisches Gas, ab Oktober 1973, eingespeist in Waidhaus in der Oberpfalz. Das Kabinett unter Helmut Schmidt beschloss damals eine Obergrenze — die Abhängigkeit von sowjetischem Gas sollte dreißig Prozent nicht überschreiten.

2021 kamen 52 Prozent des deutschen Importgases aus Russland. Keine einzelne Entscheidung hat die Grenze aufgehoben. Sie wurde von Geschäften überholt, die für sich genommen jedes Mal vernünftig aussahen.

Was die Sache 2022 beendete, kostete allein bei BASF 7,3 Milliarden Euro an Wertberichtigungen.

Die Dreißig-Prozent-Grenze — fünfzig Jahre Gasgeschäft, und wohin sich die Abhängigkeit seither verschoben hat

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3. Warum die Finnen die glücklichsten Menschen der Welt sind

Finnland führt den World Happiness Report seit neun Jahren an. Die üblichen Erklärungen sind Sauna, Wald und Vertrauen in Institutionen.

Es gibt eine kürzere. Am 21. September 2022 gab der finnische Staat ein Unternehmen ab, das täglich rund 60 Millionen Euro Verlust machte. Käufer war die Bundesrepublik Deutschland.

Das Unternehmen heißt Uniper. Es war 2016 aus E.ON abgespalten worden, gehörte danach mehrheitlich dem finnischen Konzern Fortum — und an dem hält der finnische Staat die Mehrheit. Was 2022 als deutsche Verstaatlichung lief, war der Übergang von einer Staatshand in die andere. Kostenpunkt: 13,5 Milliarden Euro Eigenkapital plus Kreditlinien.

Uniper ist heute wieder profitabel und hat einen Teil davon zurückgezahlt. Die Finnen haben sich übrigens ein Vorkaufsrecht auf die schwedische Wasserkraft des Konzerns gesichert.

Warum die Finnen die glücklichsten Menschen der Welt sind — Uniper von der Abspaltung bis zum laufenden Verkaufsverfahren

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4. Die Umlage, die stieg, weil das Gas billiger wurde

Die Speicher mussten 2022 gefüllt werden, in wenigen Monaten, zu Preisen, die ein Vielfaches des Üblichen erreichten. Bis Ende September hatte die zuständige Trading Hub Europe rund 8 Milliarden Euro ausgegeben. Bezahlt wurde das über einen Aufschlag auf jede gelieferte Kilowattstunde Gas.

Die Gasspeicherumlage startete im Oktober 2022 bei 0,59 Euro je Megawattstunde. Im Januar 2025 stand sie bei 2,99 Euro — ihrem Höchststand, mitten im Abklingen der Krise.

Das klingt verkehrt herum, hat aber eine schlichte Mechanik: Das Gas war teuer eingekauft und wurde später zu normalen Preisen verkauft. Je billiger es wurde, desto größer die Lücke auf dem Umlagekonto. Die Gesamtrechnung bis März 2027 liegt bei 11,2 Milliarden Euro.

Zum 1. Januar 2026 ist die Umlage entfallen. Für einen durchschnittlichen Haushalt waren das zuletzt rund 45 Euro im Jahr.

Von 0,59 auf 2,99 und zurück auf null — die vollständige Reihe, und wer den größten Teil bezahlt hat

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5. Wo die Rechnung jetzt steht

Verschwunden ist die Umlage, nicht der Fehlbetrag. Den Restsaldo von rund 3,4 Milliarden Euro übernimmt der Bund — aus dem Klima- und Transformationsfonds.

Aus demselben Topf fließen 2026 außerdem 6,5 Milliarden Euro an die Übertragungsnetzbetreiber, damit die Netzentgelte sinken. Eine Auswertung kommt für 2026 auf 31 Prozent der Fondsmittel, die nicht klimawirksam sind.

Ob ein Klimafonds Gasspeicher befüllen darf, ist strittig. Ein Rechtsgutachten hält es für unzulässig, weil eine Preissenkung keine zusätzliche Investition in den Klimaschutz sei. Dagegen steht: Über den Zweck eines Sondervermögens entscheidet der Gesetzgeber. Geklagt hat bisher niemand.

Eine Unterscheidung ist dabei wichtig, gerade für uns. Wer mit einer Wärmepumpe heizt und Strom lädt, hat vom Wegfall der Gasspeicherumlage nichts — sie lag auf gelieferten Gaskilowattstunden. Entlastet wird, wer Gas verbraucht, und den größten Teil davon bekommen die Großabnehmer.

Bezahlt wird diese Entlastung aus dem Fonds, aus dem auch Wärmepumpen-Förderung und Ladeinfrastruktur kommen. Geld für den Umbau gleicht eine fossile Rechnung aus.

Der Klimafonds zahlt jetzt das Gas — das Karlsruher Urteil, der Wirtschaftsplan 2026 und die offene Rechtsfrage

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6. Was die Terminals können — und was nicht

Bleibt die Frage, wie gut wir für den Winter dastehen. Dazu gibt es zwei Zahlen, die beide stimmen und Verschiedenes messen.

Die deutschen Flüssiggas-Terminals haben zusammen eine Jahreskapazität von grob 266 Terawattstunden. Durchgelaufen sind 2025 rund 106. Eingelagert wird nur, was sich rechnet.

Die zweite Zahl kommt von den Fernleitungsnetzbetreibern und handelt vom Tag statt vom Jahr: An einem Wintertag können die Terminals „nur knapp 10 Prozent des Leistungsbedarfs aller Kunden" beitragen. In den kältesten Stunden kommt mehr als die Hälfte aus den Speichern.

Und die füllen sich langsam. 250 Terawattstunden fassen sie, der schnellste je gemessene Einspeicherwert liegt bei 1,2 Terawattstunden am Tag. Das sind 208 Tage — knapp sieben Monate für einen Winter, der fünf dauert.

Am 18. August waren sie 50 Prozent gefüllt, dem niedrigsten Stand zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen. Im Süden tiefer als im Bund: Bayern und Österreich bei 48,8 Prozent gegen 55,1 im Schnitt. Für zwei der vier bayerischen Speicher ist die Stilllegung beantragt.

Was das bedeutet: Ein Speicher ist ein Vorrat an einer bestimmten Stelle im Netz. Ist der nahe leer, muss dieselbe Menge von der Küste quer durchs Land — und die Leitung dorthin lässt durch, was sie durchlässt, und keinen Kubikmeter mehr. Vielleicht sollte man in Bayern ein paar Scheite Holz stapeln, für den Notfall.

Sieben Monate für einen Winter — was die Terminals leisten, wie lange das Füllen dauert und warum leere Speicher im Süden anders wiegen

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7. Was das mit dem Laden zu tun hat

Hinter jeder dieser Stationen steht dieselbe Frage: Wie viel Gas brauchen wir überhaupt?

Ein Teil davon geht in Kraftwerke, die Strom erzeugen. Und die laufen auch in Stunden, in denen anderswo Windräder abgeregelt werden, weil ihr Strom gerade nicht zum Verbrauch passt. 2024 waren das 9.374 Gigawattstunden Wind- und Solarstrom, die nicht erzeugt wurden. 2025 gab es an 1.970 Stunden Abregelung in mindestens einer Netzzone — an mehr als einem Fünftel aller Stunden des Jahres.

Autos, die in genau diesen Stunden laden, sind die billigste Senke, die das System hat. Sie stehen schon da, sie hängen schon am Netz. Und sie vermeiden Emissionen und Gasimporte.

Deshalb bleibt unsere Forderung, was sie ist: In den Stunden, in denen Windräder abgeregelt werden, soll öffentliches Schnellladen nichts kosten. Der bestehende § 13k im Energiewirtschaftsgesetz lässt das zu — es fehlt eine Festlegung der Bundesnetzagentur, die das Preissignal bis zur Säule durchreicht.

Elf Jahre Rehden zeigen, wie oft diese Rechnung schon umgeschrieben wurde: von der Handelsbilanz auf den Bundeshaushalt, von dort auf die Gasrechnung und wieder zurück. Die eine Position, die dabei nie kleiner wurde, ist der Verbrauch selbst.

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ladeFreunde · Viernheim
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