Hallo zusammen,
in den Nachrichten lief dieser Tage eine Meldung: Ein Funke an einer Windkraftanlage habe den Großbrand nordwestlich von Athen ausgelöst.
Stimmt das?
Am interessantesten ist nicht die Boulevardversion, sondern eine Zeile, an der alles stimmt. Die Tagesschau schrieb: „Als wahrscheinliche Ursache des Großbrandes gelten Funken an Stromleitungen eines privaten Windpark-Netzes." Jedes Wort korrekt. Und trotzdem bleibt nach einmal Hören nur zweierlei hängen: Windpark, Feuer.
◆
Das hat Namen
Für das, was dabei passiert, gibt es Fachbegriffe. Sieben davon reichen, um es beim nächsten Mal zu erkennen:
Framing · Deagentivierung · Nachrichtenwert · Data Void · Illusory Truth Effect · Continued Influence Effect · Astroturfing
Was jeder einzelne bedeutet, wer ihn geprägt hat und wie er im Alltag aussieht, haben wir auf einer Seite gesammelt. Dort steht auch, was nach heutigem Forschungsstand dagegen hilft.
◆
Etwas für den Liegestuhl
Zwei Empfehlungen für die freien Tage. Beide neu in unserer Podcast-Rubrik.
Die beste Zusammenfassung, wo wir gerade stehen. Anja Reschke nimmt in der ARD die Energiepolitik der letzten Monate auseinander: die Wärmepumpe, die zur Gesinnungsfrage wurde. Das Verbrenner-Aus, das mal 2030 kommt und mal nie. Der grüne Wasserstoff, mit dem angeblich Millionen Haushalte heizen sollen — obwohl ihn die Industrie längst für sich reklamiert hat.
Die Leitfrage der Sendung ist genau die, die wir uns nach jedem Schreiben aus einem Ministerium stellen: Steckt hinter dem Zickzack ein Plan? Wir haben vor ein paar Ausgaben gefragt, wofür das C in CDU inzwischen steht. Reschke beantwortet das gründlicher, als wir es könnten.
Und sie tut es, ohne den Ton zu verlieren: bissig, belegt, komisch. Wer genug hat von dreißig Sekunden Halbwissen im Hochformat, bekommt hier das Gegenstück — Satire, die erst die Sachlage kennt und dann die Pointe setzt.
Der beste Diskurs, wo wir gerade stehen. Die Reporterfabrik hat Melanie Amann (Spiegel) und Ulf Poschardt (Welt) an einen Tisch gesetzt und streiten lassen — über Klima, Sozialstaat, Polarisierung. Die Frage des Formats ist unsere: Wie kommt man aus der eigenen Blase heraus?
Poschardt liefert dabei das Weiter-so in Reinform. Der Verbrenner ist bei ihm keine Technik, sondern ein Bekenntnis; wer ihn in Frage stellt, greift nicht ein Produkt an, sondern eine Lebensart. Sehenswert ist deshalb nicht, wer recht behält, sondern was mit einem Argument passiert, wenn es auf eine Haltung trifft.
Wichtig: Auf YouTube liegt nur der Teaser. Das ganze Gespräch steht kostenlos in der Reporterfabrik-Akademie, und lohnt sich nur ganz.
◆
Wenn du tiefer einsteigen willst
Zwei weitere Texte. Warum Europa jedes Feuer aus dem Orbit sieht, aber nicht weiß, wer es anzündet — und warum die Antwort darauf trotzdem beim Klima anfängt, nicht beim Streichholz. Und: wer seit den neunziger Jahren Zweifel verkauft, erst für die Tabak-, dann für die Öl- und Gasseite.
◆
Warum wir das thematisieren
Wir sind im Kern keine Klimaorganisation. Wir arbeiten an einer eng umgrenzten Sache: Strom, der CO2-neutral erzeugt werden könnte und heute stattdessen abgeregelt wird, soll in Autobatterien fließen dürfen.
Diese eine Forderung ist für uns zum Prüfstein geworden. Sie senkt den Strompreis. Sie beendet eine Verschwendung, die jeder über sein Netzentgelt mitbezahlt. Sie aktiviert Milliarden, die in Fahrzeugen, Ladeparks und im Mittelstand längst investiert sind. Sie kostet keine Subvention und braucht kein neues Gesetz — eine Festlegung der Bundesnetzagentur genügt, in der Umsetzung ist es eine Änderung in der Abrechnung. Wenn nicht einmal das durchkommt, liegt es nicht an der Sache.
Wir sind den Stillstand satt. Wir sind es satt, dass eine Falschmeldung schneller unterwegs ist als ihre Richtigstellung. Wir sind es satt, dass der Forschungsstand in Ministerien zur Verhandlungsmasse wird. Und wir sind es satt, dass sich in jedem einzelnen Fall nachlesen lässt, wer an einer Regelung verdient — und dass es an der Regelung nichts ändert.
Dem Vorschlag steht der Sache nach nichts entgegen. Was ihm entgegensteht, sind Geschäftsmodelle: Wer an hohen Strompreisen und an Ineffizienz verdient, hat wenig Grund, für deren Abschaffung zu werben. Das ist eine Beschreibung von Anreizen — und Anreize kann die Politik ändern. Dafür ist sie da.
Dass Klimaversprechen eingelöst werden, erwarten wir längst nicht mehr. Aber darüber hinaus gegen die Interessen der eigenen Wähler, des Mittelstands und der Industrie zu handeln, ist eine zweite Sache. Deshalb unser Vorschlag an die Regierungsparteien: eine Ladeprämie als Energiewendedividende. Keine Subvention, keine Milliardenrabatte, keine Einmalzahlung — sondern die Beteiligung der Stromkunden an einem Überschuss, den sie längst mitfinanziert haben. Das ist soziale Marktwirtschaft, wie sie in beiden Programmen steht. Sie muss nur angewendet werden.
◆
Teile diese Mail
Gib sie weiter — an Freunde, Kollegen, Mitmenschen. Und wenn dir jemand einfällt, der über eine dieser Geschichten gestolpert ist: Die Texte sind zum Weitergeben gemacht. Jede Behauptung darin ist mit einer Quelle belegt, die man selbst nachlesen kann — das ist der ganze Unterschied.
Sonnige Grüße, das Ladefreunde-Team
❦ Energiewende er-fahrbar machen! Und ladeFreun.de ein!
◆ |