Hallo zusammen!
Pfingsten — für viele die erste lange Reise des Jahres. Genau der Moment, um einen Blick auf das zu werfen, worüber gerade alle reden: den 1. Mai 2026. An diesem Tag fiel der Strompreis an der Börse auf den tiefsten Wert, den das deutsche Stromsystem je erreicht hat.
Was an diesem Tag los war — und warum das mehr als eine Kuriosität ist — dazu gleich. Zuerst ein Zwischenstand.
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Wo wir stehen
| Aktueller Stand | 1.350 Unterschriften | | Etappenziel | 1.500 (Vorstufe Bundestags-ePetition) | | Bundestags-Ziel | 30.000 (Mitzeichnungsfrist 6 Wochen) |
Das Tempo lässt nach. Die täglichen Zugänge sinken, und 30.000 sind weit weg.
Wir können zusehen, wie die Energiewende ausgebremst wird — oder initiativ werden. Wir müssen den Stillstand nicht hinnehmen. Weiter unten in dieser Mail stehen zwei konkrete Dinge, die genau dabei helfen.
Aber erst die Geschichte vom 1. Mai.
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Teil 1 Alles neu macht der Mai?
● Day-Ahead-Strompreis 01.05.2026 · Energy-Charts, Fraunhofer ISE (CC-BY)
Wichtig zu verstehen: es gibt kein Erzeugungs-Problem. Es ist ein Flexibilitäts-Problem! Wir haben Strom — wir lassen ihn nur nicht dort ankommen, wo Menschen ihn abnehmen könnten.
Konkret: Tag der Arbeit, Freitag, Brücken-Wochenende. Industrie aus, Sonne voll, ein bisschen Wind. Genau in der Mittagsstunde geschah am Stromhandel folgendes:
▸ Day-Ahead-Börse: Der Preis fiel auf −50 ct/kWh und blieb dort am regulatorischen Limit kleben, von 12:45 bis 14:30 Uhr durchgehend. Sieben Viertelstunden am Boden.
▸ Intraday-Markt (SIDC IDA1): Um 14:00 Uhr −85,5 ct/kWh. Der tiefste Wert, den das deutsche Stromsystem je erreicht hat.
▸ Tages-Spreizung: 87 ct/kWh zwischen Mittags-Tief und Abend-Hoch. An einem Tag.
Und das war nicht der einzige Tag. Hier die Negativpreis-Tiefs allein dieses Jahres:
| Datum | Tiefpunkt | Anlass |
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| 06.04.2026 (Ostermontag) | −69 ct/kWh | Feiertag + Sonne | | 26.04.2026 (Sonntag) | −48 ct/kWh | Wochenende + Sonne | | 01.05.2026 (Tag der Arbeit) | −85,5 ct/kWh | Feiertag + voller Solar-Peak |
Prognosen für das Gesamtjahr 2026: zwischen 700 und 900 Stunden mit negativen Strompreisen. Pfingsten und Christi Himmelfahrt stehen auf der Liste der wahrscheinlichen Folge-Termine.
Wer am 1. Mai einen dynamischen Stromtarif hatte (z.B. Octopus, Tibber, Awattar), bekam für die Stunden um 14 Uhr zwischen 42 und 44 Cent pro Kilowattstunde gutgeschrieben. Geld aufs Konto. Fürs Wäschewaschen, Wärmepumpe laufen lassen, E-Auto laden.
Wer einen Standardtarif hatte? hat davon gar nicht mitbekommen.
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Teil 2 Das eigentliche Problem ist nicht der Preis. Es ist die Verschwendung.
Es ist verlockend, hier vom Preis zu reden — billiger Strom für alle. Das ist die kleinere Geschichte. Die größere:
Jede Kilowattstunde, die wir abregeln, fehlt dem Klima. 2024 wurden in Deutschland 9,4 TWh Ökostrom abgeregelt — abgestellt, weil das Netz ihn nicht aufnehmen konnte. Das entspricht ungefähr dem Stromverbrauch von 2,7 Millionen Haushalten. Ein Jahr lang. Aus dem Wind, aus der Sonne, schon erzeugt — und weggeworfen.
Diese Energie zusätzlich zu nutzen statt zu vernichten, ist der Klima-Hebel unserer Initiative.
Jetzt kommt der Punkt, der jeden Finanzminister und jeden Menschen mit Netzausbau-Hintergrund hellhörig machen sollte: Diese Abregelung ist nicht umsonst.
Für jede abgeregelte Kilowattstunde bekommen die Anlagenbetreiber eine Entschädigung — sie hätten eingespeist, wenn das Netz mitgespielt hätte. Diese Milliardenbeträge zahlen am Ende alle Stromkund:innen über die Netzentgelte. Wir bezahlen für Strom, der nicht entstanden ist.
Und obendrauf: Diese Stillstands-Zahlung erzeugt für niemanden Wertschöpfung. Der Staat sieht von einer gedrosselten Anlage keine Mehrwertsteuer und keine Stromsteuer — die Transaktion findet ja nicht statt. Würden wir den Strom stattdessen verbrauchen, hätte der Anlagenbetreiber Erlöse statt Entschädigung, die Netzbetreiber vereinnahmen Netzentgelte statt sie umzulegen, der Endkunde bekäme kostenlosen Strom — und der Bundeshaushalt sähe Steuereinnahmen aus einer echten Transaktion.
Die ausführliche Rechnung steht ab heute im Blog:
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Teil 3 „Sofort. Unverzüglich." — so könnte deine Urlaubsfahrt aussehen
● Günter Schabowski verliest am 9. November 1989 die Reiseregelung · Foto: rbb24
Am Abend des 9. November 1989 fragte ein Journalist auf einer Pressekonferenz, wann eine neue Regelung gelte. Günter Schabowski blätterte, stockte, las und antwortete halb-improvisiert: „Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich." Drei Worte, die einen Staat ins Wanken brachten — weil sie eine Möglichkeit Wirklichkeit werden ließen, die schon längst hätte da sein können.
Wir sind nicht 1989. Aber drei ähnliche Worte aus der Bundesnetzagentur — „Wir legen fest:" — könnten das Windrad in Bewegung setzen und den Strom endlich beim Endverbraucher ankommen lassen. Stell dir vor:
Pfingstmontag, 13:30 Uhr, irgendwo zwischen Würzburg und Nürnberg. Du hast 280 Kilometer hinter dir und brauchst Strom. Du fährst an die Schnellladesäule. Die Anzeige sagt: „Aktuelle kWh-Pauschale: 0 € — solarbedingter Überschuss bis 15:30 Uhr", weil Du die Ladefreunde unterstützt und die Fahrt leicht angepasst hast.
Du steckst an. 20 Minuten Kaffee. 80 % im Akku. Rechnung: ein Cappuccino. Du fährst weiter, das Windrad hinter der Lärmschutzwand dreht für sich allein weiter, und im Auto der nächsten Familie nebenan steht dasselbe auf dem Display.
Im Winter dasselbe in Grün — nur dass die kostenfreien Stunden nicht mittags liegen, sondern nachts bei Sturmtief. Wer eine Wallbox zuhause hat, schließt vor dem Schlafengehen an. Wer mit dem dynamischen Tarif schon heute lädt (Octopus, Tibber, Awattar), kennt das Gefühl. Künftig würde es überall greifen, wo Strom getankt wird — auch unterwegs, auch ohne eigene Wallbox, auch für Mieter und Laternenparker.
Wieviel Politik braucht es dafür? Erstaunlich wenig. Es braucht im ersten Schritt kein neues Gesetz. Eine kleine Festlegung der Bundesnetzagentur reicht, um das Preissignal aus dem Großhandel zu den Säulen durchzureichen. Eine Anpassung, ein Federstrich. Den juristischen Pfad haben wir ausformuliert (für die Interessierten unter euch: er heißt §13k im Energiewirtschaftsgesetz und liegt schon in der Schublade) — aber für diese Mail reicht: es ist einfach, sofort machbar, klein, schnell, ohne Bundesmittel.
Und mehr noch: Das ist eine der seltenen Gelegenheiten, in denen die Koalition aus CDU/CSU und SPD an einem Strang ziehen kann — und beide Seiten als eigenen Erfolg verbuchen. Marktwirtschaftlich, ordnungspolitisch sauber und ohne Bundeszuschuss — das ist die Sprache der Union. Sozial breitenwirksam, Mieter:innen und Laternenparker:innen einbeziehend, Großabnehmer:innen entlastend — das ist die Sprache der SPD. Beides trifft hier zu, gleichzeitig. In der Energiepolitik der letzten Jahre war so eine Konstellation selten.
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Teil 4 Wie kommt man in eine solche verfahrene Lage?
Tankrabatt 2.0, gerade live, 01.05.–Ende Juni 2026. 17 Cent pro Liter weniger Energiesteuer. Tankrabatt 1.0 (Juni–August 2022) kostete den Bundeshaushalt 3,15 Milliarden Euro — als direkte Energiesteuersenkung, also drei Milliarden, die der Bundeshaushalt nicht einnahm und nicht für die Energiewende ausgeben konnte.
Studien (ifo, IW Köln, Bundesrechnungshof) sind sich einig: rund 60 % Mitnahme-Effekt. Das Geld blieb in den Margen der Mineralöl-Branche, kam an der Säule nie an. Klima-Wirkung: negativ (billiger tanken = mehr fahren). Verteilung: schief (große Autos profitieren absolut stärker).
Drei Milliarden weniger Steuereinnahmen. Für Verbrennertanks. Mit 60 % Mitnahme.
Daneben: Ein Windrad dreht. Es lädt das E-Auto eines Pendlers. Niemand wird subventioniert, niemand zahlt drauf, niemand verliert. Anlagenbetreiber bekommen die normale Vergütung statt der Abregelungs-Entschädigung. Fahrer:in zahlt nichts. Klima gewinnt eine bisher weggeworfene Kilowattstunde. Netz wird entlastet, weil Verbrauch zur Erzeugung wandert. Bundeshaushalt: unverändert. Alle Stromkundne werden entlastet, weil die Preispeaks ausbleiben und die Netzentgelte sinken.
Eine Maßnahme, die nur Gewinner kennt — und sie liegt auf dem Schreibtisch der Bundesnetzagentur.
Die Frage, die jede:r MdB hören sollte: Wie ist Deutschland in eine Position gekommen, in der Verkantungen und Bürokratie dazu dienen, alte Technologien offen zu subventionieren und die Zukunft zu blockieren?
Das ist keine rhetorische Frage. Wir möchten sie wirklich gestellt haben. Deshalb der nächste Block.
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Wir müssen den Stillstand nicht hinnehmen — zwei konkrete Asks
a) Schreib deinem Bundestagsabgeordneten.
Eine Frage genügt — sachlich, höflich, nicht polemisch:
Warum verzichten wir mit Milliarden Steuermindereinnahmen auf einen Tankrabatt mit 60 % Mitnahme-Effekt, während eine kleine Festlegung der Bundesnetzagentur ausreichen würde, um Überschussstrom an Ladesäulen verfügbar zu machen — ohne Bundeszuschuss, mit klarem Klima-Effekt?
Wer dein MdB ist, findest du in 30 Sekunden über abgeordnetenwatch.de. Eine kurze Mail, mit dem Link zu unserer Petition. Mehr braucht es nicht. Wenn das aus 200 Wahlkreisen gleichzeitig kommt, ist es ein politisches Signal.
b) Kenne deine Stadtwerke.
Wir sehen gerade die ersten Signale: Menschen in Stadtwerken kommen auf uns zu, weil sie das Überschuss-Laden vor Ort hemdsärmelig umsetzen wollen — mit eigenen Säulen, eigenem Tarif, eigenem Marketing. Sie suchen einen sichtbaren Aufhänger für ihre Energiewende und haben Drähte zur lokalen Presse.
Wenn du in deiner Stadt einen Kontakt zu den Stadtwerken hast — Vorstand, Marketing, Netz-Leitung, Aufsichtsrat, Stadtrat — melde dich. Eine kurze Mail an ampere@ladefreun.de mit Name und Stadt reicht. Wir bringen euch zusammen und liefern die Argumentations-Mappe.
Jeder einzelne Stadtwerks-Kontakt erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Modell irgendwo zuerst läuft. Und dann nachgemacht wird.
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Wo wir stehen, nochmal
1.350 Petitionen sind eine gute Basis. 30.000 sind das Ziel. Das schaffen wir nur, wenn jede:r von uns eine von zwei Sachen macht: das hier weiterleiten — oder das oben Stehende anschieben.
Petition zeichnen, falls noch nicht · Empfehlungs-Link
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❦ Energiewende er-fahrbar machen, ladeFreun.de dazu ein!
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