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Ausgabe vom 16. August 2026. Zahlen und Fristen stehen auf dem Stand dieses Tages.
 
Ladefreunde

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Hallo zusammen,

im April stand Bill McKibben auf einer TED-Bühne und sagte einen Satz, den wir seitdem nicht mehr loswerden. Bei allem, was schiefläuft, gehe eine Sache endlich richtig: Der Preis sauberer Energie sei eingebrochen. Strom aus Sonne sei heute die billigste Art, die Welt zu versorgen.

Seine Formel dafür: Energie vom Himmel, nicht aus der Hölle.

Bei den Temperaturen dieser Tage muss man einschränken: Gerade fühlt sich auch das, was vom Himmel kommt, eher nach Hölle an, die Hölle scheint sich über den Himmel zu legen.

Genau darum geht es ihm. Sein Punkt ist ein zeitlicher. Das Fenster, in dem sich daraus etwas machen lässt, ist schmal. Er hält es für das letzte.

Zum Vortrag →

Wir hatten das schon mal

Diese Geschichte hat nämlich ein deutsches Kapitel, und es liegt nicht weit zurück.

2011 war Deutschland Weltmarktführer bei der Photovoltaik. 110.900 Menschen arbeiteten in der Branche. Der Zubau lag bei 7,5 Gigawatt in einem einzigen Jahr — dreimal so viel, wie das Energiekonzept der Bundesregierung vorgesehen hatte.

Im Februar 2012 wurde binnen einer Woche eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes angekündigt, die in der Branche bis heute das Fallbeil heißt. Die Vergütung für neue Anlagen sank um bis zu dreißig Prozent. Die jährliche Absenkung wurde auf zwanzig Prozent hochgesetzt statt der geplanten fünf bis acht. Auf den selbst verbrauchten Strom kam eine Umlage.

Der Zubau brach nicht sofort ein — 2012 wurde noch vorgezogen, was unter die alten Sätze fallen sollte. Ab 2013 fiel er, und 2014 lag er bei 1,2 Gigawatt. Fünf Jahre lang blieb er unter dem Niveau von 2008.

Balkendiagramm: jährlicher Photovoltaik-Zubau in Deutschland von 2000 bis 2025 in Gigawatt, mit Einbruch von 2013 bis 2017
  Der Zubau nach der Novelle: 2012 noch ein Rekordjahr durch vorgezogene Anlagen, danach fünf Jahre unter dem Niveau von 2008. Zusammenstellung nach Meldedaten der Bundesnetzagentur.

Was das gekostet hat

Von 110.900 Menschen waren 2013 noch rund 56.000 in der Branche.

Solon, Q-Cells, Solibro, Sovello, Conergy, Bosch Solar, Solarworld — die Liste der Unternehmen, die in diesen Jahren aufgaben, liest sich wie das Inhaltsverzeichnis einer Industrie.

Rund 55.000 Arbeitsplätze in zwei Jahren, verloren in einer Zukunftsbranche. Zum Vergleich: Die gesamte deutsche Braunkohlewirtschaft beschäftigte damals einschließlich aller Zulieferer etwa 50.000 Menschen.

Über die Braunkohle wird seit Jahrzehnten als Strukturfrage geredet, mit Milliardenprogrammen und Kommissionen. Über den größeren Verlust wurde kaum gesprochen.

Europa hält heute weniger als drei Prozent der weltweiten Solarproduktion.

Was stattdessen möglich gewesen wäre

Die Weltwindenergie-Vereinigung hat 2025 durchgerechnet, wie Deutschland heute dastünde, wenn die Wachstumsraten von damals nicht gebrochen worden wären.

Zwischen 2003 und 2012 wuchs die Photovoltaik um durchschnittlich 64 Prozent pro Jahr, die Windkraft von 2001 bis 2017 um 14 Prozent. Die Rechnung setzt bewusst viel niedrigere Werte an — 30 Prozent für Solar, 10 Prozent für Wind. Selbst in diesem konservativsten der drei Szenarien hätten die Erneuerbaren den heutigen Strombedarf zu über 100 Prozent gedeckt.

Es ist nicht nur eine Geschichte der verpassten Chancen. Es ist die Frage, wie zwei Krisen verlaufen wären, die danach kamen.

Deutschland hat in denselben Jahren Nord Stream 2 gebaut. Die beiden Ostsee-Projekte zusammen kosteten rund zwanzig Milliarden Euro. Nord Stream 2 hat nie ein einziges Molekül Gas geliefert; seit September 2022 liegt die Leitung beschädigt auf dem Meeresgrund.

Und die Gegenwart: Am 4. August 2026 waren die deutschen Gasspeicher zu 48,5 Prozent gefüllt. Ein Jahr zuvor waren es 62,1 Prozent. Nach Angaben der Initiative Energien Speichern ist das der niedrigste Stand zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen. Als ausreichend gelten rund 76 Prozent der gebuchten Kapazität — bei einem milden Winter. Für einen Extremwinter wie 2010 rechnen dieselben Modelle mit Fehlmengen von bis zu neun Terawattstunden im Monat.

Die Speicher füllt man nicht mehr im November. Und Flüssiggas kauft man auf dem Weltmarkt zu dem Preis, den andere auch zu zahlen bereit sind.

Wo die Fabriken jetzt stehen

Sie stehen in China, und sie sind größer als alles, was es je gab. Die dortige Fertigungskapazität liegt inzwischen bei rund 1.200 Gigawatt im Jahr — mehr, als die ganze Welt nachfragt. Umgerechnet sind das gut drei Gigawatt Nennleistung pro Tag, also mehr als ein großes Kernkraftwerk. Jeden Tag.

Ein Modul kostet heute etwa zehn Cent pro Watt.

Während das passiert, wird in Deutschland über einen Wiedereinstieg in die Kernkraft diskutiert. Ein Neubau dauert fünfzehn bis zwanzig Jahre und kostet einen zweistelligen Milliardenbetrag: Flamanville stand nach siebzehn Jahren Bauzeit bei 23,7 Milliarden Euro, so der französische Rechnungshof. Und der Strom daraus ist teuer und bleibt es, er wird saatlich subventioniert von einem Staat, der auf dem letzten Loch pfeift — für Hinkley Point C sind derzeit 127 Pfund je Megawattstunde garantiert, knapp fünfzehn Cent pro Kilowattstunde, mit der Inflation steigend, bevor das Kraftwerk überhaupt läuft. Das Karftwerk wird nie wirtschaftlich sein. Wo der Abfall am Ende bleibt, ist weiterhin offen.

Chinas Solar-Kurve →

Und heute

Die verantwortliche Politikerin, die 2012 als Staatssekretärin im Umweltministerium als Architektin jener Novelle galt, ist heute Bundeswirtschaftsministerin: Katherina Reiche.

Was seither auf dem Tisch liegt: die Abschaffung der festen Einspeisevergütung für private Dachanlagen. Ein Netzpaket, das den Ausbau der Erneuerbaren mit neuen Auflagen belegt, während Kohle- und Gaskraftwerke unberührt bleiben. Eine Bedarfsprognose, deren Annahmen von Fachleuten als deutlich zu niedrig kritisiert werden.

Es gibt dabei eine Bauform, die man auch anderswo beobachten kann. Die umweltfreundliche, kostengünstige Technologie, die im eigenen Land am schnellsten wächst, bekommt neue Auflagen. Die, die schrumpft, bekommt Bestandsschutz. In den USA trifft es die Windkraft, bei uns die Photovoltaik.

Wie weit das geht, hat sich vor drei Tagen gezeigt. RWE bekommt vom US-Innenministerium 1,22 Milliarden Dollar dafür, dass der Konzern seine Offshore-Windrechte vor New York, Kalifornien und Louisiana zurückgibt — und investiert am selben Tag fast dieselbe Summe in Flüssiggas und Gasturbinen.

Eine Milliarde fürs Aufgeben →

Und wer ist der lachende Dritte?

Diese Politik hat Folgen, die weit über die Solarbranche hinausgehen. Rechenzentren werden inzwischen in Gigawatt gerechnet, nicht mehr in Petaflops. Die Frage, wo sie auf mittlere Sicht wirtschaftlich betrieben werden können, ist eine Standortfrage ersten Ranges.

In Bayern, mit Strom aus dem Norden über eine teure Gleichstromleitung, die das System verteuert und die alle mit jeder Kilowattstunde über Jahrzehnte abbezahlen — und auf deren Baukorridore und Konverterstationen Hessen und Niedersachsen blicken, weil man im Freistaat auf ein Windrad nicht blicken möchte?

In den USA, wo sich Widerstand gegen neue Gasturbinen und gegen Fracking regt und die Kosten steigen?

Oder dort, wo früh verstanden wurde, welche Chance darin liegt, aus fremder Unstetigkeit ein Geschäft zu machen: Technologie zu übernehmen und zu skalieren, während anderswo die Rahmenbedingungen alle paar Jahre wechseln.

Für diese Frage gibt es eine brauchbare Denkfigur. Der Forscher Dan Wang beschreibt China als Ingenieursstaat, der jedes Problem mit dem Vorschlaghammer angeht, und die USA (wie Deutschland) als Anwaltsgesellschaft, die mit dem Richterhammer fast alles blockiert — das Schlechte wie das Gute. Beide Bauarten haben ihren Preis. Aber die Frage, die daraus folgt, lässt sich an jedes Verfahren stellen: Schützt es hier gerade jemanden, oder verhindert es nur?

Der Ingenieursstaat und die Anwaltsgesellschaft →

Und eine Anschlussfrage, die sich dabei aufdrängt: Wer trifft diese Entscheidungen eigentlich, und was hat er gelernt?

Wer regiert, hat Jura studiert →

Warum wir das schreiben

Weil die Lehre aus 2012 nicht ist, dass Förderung heilig wäre. Wir wollen keine Förderung. Die aktuelle Einspeisvergütung liegt unter dem Marktpreis.

Die Lehre ist, dass es nicht die Technik war, die versagt hat, und auch nicht der Markt. Es war eine Regeländerung, angekündigt binnen einer Woche, gegen eine Branche, die auf zehn Jahre verlässlich kalkulieren musste.

Als Architektin jener Novelle gilt Katherina Reiche, damals Staatssekretärin. Kanzler Merz hat sie 2025 zur Bundeswirtschaftsministerin gemacht.

Genau deshalb fordern wir eine Regel und kein Programm. Strom, der CO2-neutral erzeugt werden könnte und heute abgeregelt wird, soll in Autobatterien fließen dürfen. Das kostet keinen Zuschuss, der gekürzt werden kann. Es ist eine einfache Festlegung. Und sie spart Geld, während sie der Umwelt dient.

Der Strom ist da. Die Windräder sind da. Die Elektroautos sind da. Die Schnelllader sind da. Was fehlt, ist die Regel, die alles zusammenbringt.

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Wenn du jemanden kennst, der die Jahre 2011 und 2012 in dieser Branche miterlebt hat: Die Zahlen oben sind belegt, und sie werden selten so nebeneinandergestellt.

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Sonnige Grüße, das Ladefreunde-Team

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ladeFreunde · Viernheim
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