Ladefreunde-Blog · Strommarkt und Geopolitik

Der Brief aus Doha

17. September 2026 3 min Lesezeit Ladefreunde-Blog

Im Mai 2025 sagte der Energieminister Katars einen Satz, den man in dieser Deutlichkeit selten liest. Europa solle seine geplanten Nachhaltigkeitspflichten für Unternehmen abschwächen oder streichen — sonst werde man „zu 100 Prozent" kein Flüssiggas mehr liefern.

Skyline von Doha mit Hochhäusern am Wasser

Foto: Doha — via Wikimedia Commons — CC BY 4.0 / Zairon

Worum es ging

Das Gesetz heißt CSDDD, auf Deutsch die EU-Lieferkettenrichtlinie. Sie verlangt von großen Unternehmen, dass sie Menschenrechts- und Umweltschäden in ihren Lieferketten abstellen. Bei Verstößen waren Geldbußen von bis zu fünf Prozent des weltweiten Umsatzes vorgesehen.

Für einen Gaslieferanten ist das unangenehm, weil es die Förderung selbst erfasst — nicht nur das, was in Europa ankommt.

Was dann passierte

Im Oktober 2025 schrieben Katars Energieminister und der US-Energieminister gemeinsam an die EU-Mitgliedstaaten. Die Richtlinie werde „considerable harm to the EU and its citizens" anrichten. Zwei der wichtigsten Gaslieferanten Europas, in einem Schreiben, gegen ein europäisches Gesetz.

Im Dezember 2025 einigten sich die EU-Institutionen im Trilog. Im Februar 2026 nahm der Rat die Änderung förmlich an. Was übrig blieb:

vorher nachher
Sorgfaltspflicht reicht bis in die Lieferkette nur zu direkten Zulieferern
Betroffen sind Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten 5.000 Beschäftigten und 1,5 Mrd. Euro Umsatz
Anwendung ab 2027 2029
Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg

Foto: Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg — via Wikimedia Commons — CC BY 4.0 / Sebastian Wallroth

Ob der Brief den Ausschlag gab, steht in keinem Protokoll. An der Abschwächung haben viele gearbeitet, darunter europäische Verbände und Regierungen. Was sich sagen lässt: Die Forderung wurde gestellt, mit einem Lieferstopp verbunden — und das Ergebnis liegt nah an dem, was gefordert war.

Die Gegenprobe: was Katar von uns wollte

Wie das aus deutscher Sicht aussieht, zeigte sich einen Monat später. Vom 17. bis 19. November 2025 reiste die Bundeswirtschaftsministerin mit einer Wirtschaftsdelegation und dem Investitionsbeauftragten des Kanzlers nach Abu Dhabi und Doha. Auf der Liste standen Flüssiggas, Investitionen der Staatsfonds und die Covestro-Übernahme.

Beim Gas kam sie nicht weiter. Die Lieferungen, die 2022 vereinbart und für 2026 zugesagt waren, sind bis heute nicht dauerhaft festgezurrt. Katars Bedingungen sind seit Jahren dieselben:

Das ist die Rechnung, die hinter dem Wort Versorgungssicherheit steht: Wer so einkauft, bindet sich bis weit in die 2040er Jahre an einen Preis, den ein anderer Markt bestimmt.

Und dann kam der Februar

Seit Februar 2026 ist die Straße von Hormus gesperrt oder beeinträchtigt. QatarEnergy hat Lieferausfälle wegen höherer Gewalt erklärt und mehrfach verlängert, zuletzt bis in den November. Rund 17 Prozent der katarischen Verflüssigungskapazität sind beschädigt, die Reparatur dauert Jahre. Im ersten Quartal 2026 kamen 6,6 Prozent des europäischen Flüssiggases aus Katar, 29 Prozent weniger als im Vorjahr.

Der Lieferstopp, der als Drohung im Raum stand, ist also eingetreten — nur aus einem anderen Grund.

Was das über die Abhängigkeit selbst sagt, steht in einem früheren Beitrag:

Hormus, und was China daraus gemacht hat

Der nächste Teil geht dorthin, wo über Sanktionen, Genehmigungen und Waffenverkäufe entschieden wird.

Washington am Golf

Du willst „Nutzen statt Abregeln"?

Zeichne die Petition — jede Stimme zählt. Wir brauchen sie schnell, bevor der Tankrabatt verlängert und unser Vorschlag übersehen wird.

Petition zeichnen →

Was sagst du dazu?

Widerspruch, Ergänzung, eine Zahl, die nicht stimmt, eine Frage, die offen bleibt — schreib es uns. Wir lesen jede Rückmeldung, und sie ändert unsere Texte.

Deine Rückmeldung bezieht sich auf
Der Brief aus Doha
https://ladefreun.de/blog/220-der-brief-aus-doha/
0 / 4000

Die Rückmeldung geht als E-Mail an uns, zusammen mit dem Titel dieses Beitrags. Name und Adresse sind freiwillig; ohne Adresse können wir nicht antworten. Kommen zu einem Beitrag mehrere gehaltvolle Rückmeldungen zusammen, fassen wir den fachlichen Austausch daraus sinngemäß zusammen und stellen ihn unter den Beitrag — ohne Namen, ohne Adressen, ohne Datum. Wenn du das nicht möchtest, schreib es dazu. Geht das Formular nicht, schreib direkt an feedback@ladefreun.de.

Angekommen — danke. Wir lesen mit, und wenn du eine Adresse hinterlassen hast, melden wir uns.

Newsletter abonnieren? Hier auf der Startseite mit deiner E-Mail-Adresse.