Hallo zusammen,
ein Leser hat uns eine Frage gestellt, die vielen von euch auf der Zunge liegt: Lässt sich eigentlich nachvollziehen, welche Kraftwerke gerade den Strompreis setzen? Warum ist der Preis an der Börse zeitweise so hoch — und ist er kostendeckend entstanden oder spekulativ? Gibt es diese Informationen irgendwo?
Die kurze Antwort: Ja, den Mechanismus kann man verstehen, und die Daten liegen offen. Daraus ist ein kleiner Kanon geworden — drei Beiträge, die den Strompreis vom Prinzip bis zur europäischen Verflechtung auseinandernehmen.
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1. Wer setzt den Preis? Die Merit Order
An der Börse werden alle Kraftwerke nach ihren Kosten gestapelt, vom billigsten aufwärts. Das letzte, das noch gebraucht wird, setzt den Preis — für alle. Das erklärt, warum viel Wind und Sonne den Preis drücken und eine dunkle, windstille Stunde ihn hochtreibt. Und es zeigt, wo man selbst nachschauen kann, wer gerade den Preis macht.
2. Warum manchmal 80 Cent? Knappheit, Marktmacht und der Fall RWE
Am 6. November 2024 kostete die Kilowattstunde abends 82 Cent — eine einzelne Knappheitsstunde, nicht der Durchschnitt. Was in solchen Stunden passiert, warum das Bundeskartellamt RWE dort als vermutlich marktbeherrschend markiert hat, und was die amtliche Untersuchung der Winterspitzen 2024 tatsächlich ergab.
3. Und wenn in Frankreich ein AKW ausfällt?
Der Strompreis ist längst europäisch. Fällt in Frankreich Erzeugung aus, verknappt das auch bei uns das Angebot und hebt den Preis. Umgekehrt dämpft günstiger Strom aus dem Ausland — solange die Grenzen nicht verstopft sind. Wie man an den Daten abliest, ob eine Preisspitze von innen oder von außen kam.
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Und was hat das mit uns zu tun?
Alles. Wenn das teuerste noch gebrauchte Kraftwerk den Preis für alle bestimmt, dann ist der wirksamste Hebel gegen hohe Preise, dieses teure Kraftwerk seltener zu brauchen. Genau das leistet flexible Nachfrage: Verbrauch in die Stunden verschieben, in denen viel günstiger Wind- und Sonnenstrom im Netz ist. Dann rutscht der preissetzende Block in den billigen Teil der Kurve — und der Preis sinkt für alle, nicht nur für den, der verschiebt.
Dieselbe Börse, die in einer Knappheitsstunde 82 Cent aufruft, fiel am 1. Mai 2026 in der Intraday-Auktion auf ein Rekordtief von −85,5 ct/kWh — so viel Sonnenstrom war da, dass niemand ihn mehr wollte. Ein Teil davon wird schlicht abgeregelt, also weggeworfen. Genau hier setzt unsere Forderung an: Die zeitliche Erweiterung des §13k EnWG würde diesen Überschussstrom an der Ladesäule nutzbar machen, statt ihn verfallen zu lassen. Erst nutzen, dann speichern.
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Sonnige Grüße, das Ladefreunde-Team
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