Hallo zusammen,
heute nehme ich euch mit auf eine kleine Weltreise. Vier Stationen — Texas, Washington, China, Pakistan — und an jeder steht dieselbe Lehre, nur anders buchstabiert: Die Energiewende läuft. Mal mit Absicht, mal aus Versehen, mal von ganz unten. Und am Ende landen wir wieder bei dem, wofür wir hier alle unterschreiben. Kommt mit.
◆
1. Zwei Republikaner, ein Effekt
Ausgerechnet ein republikanischer Gouverneur machte Texas 1999 zum größten Windstrom-Land der USA — mit einem nüchternen Marktinstrument, ganz ohne Klima-Predigt. Sein Parteifreund im Weißen Haus bekämpft die Windkraft heute mit allem, was er hat — und beschleunigt durch seine Fossil-Politik genau die Bewegung, die er stoppen will. Der eine als Architekt, der andere als Steigbügelhalter wider Willen.
2. Eine Milliarde fürs Nichtstun
Im März 2026 zahlte die US-Regierung dem Konzern TotalEnergies fast eine Milliarde Dollar dafür, zwei genehmigte Offshore-Windflächen nicht zu bauen — und das Geld in Öl und Gas zu stecken. Derselbe Konzern will zugleich aus drei deutschen Nordsee-Flächen wieder raus, für die er fast acht Milliarden Euro geboten hatte. Großprojekte sind launisch. Unser Hebel ist es nicht.
3. Ein Kraftwerk pro Woche
Während im Westen über Großprojekte gestritten wird, baut China Solar in einem Tempo, das jede Statistik sprengt: 2025 rund 315 Gigawatt in einem Jahr — gut sechs Gigawatt pro Woche — und hat als erstes Land der Welt ein Terawatt Solarleistung überschritten. Sogar mehr Module, als es selbst verbaut. Zum Bruchteil des Preises, den die jüngste westliche Atomkraft pro Gigawatt verschlingt.
4. Pakistan: Energie-Souveränität von unten
Als der Netzstrom unbezahlbar wurde, deckten Pakistans Bürger:innen binnen anderthalb Jahren ihre Dächer mit Solar ein — von unten, ohne Förderprogramm. Heute liefert das eigene Dach weiter, egal was auf dem Weltmarkt für Öl und Gas passiert. Wer kein Marktsignal liefert, wird übergangen.
◆
Und was hat das alles mit uns zu tun?
Alles. Die vier Stationen zeigen dasselbe: Erneuerbare sind nicht nur billig, sie sind erpressungssicher — sie liefern weiter, wenn die Straße von Hormuz dichtmacht und der Ölpreis explodiert. Genau dieser Strom ist bei uns längst da und wird in Überschussstunden trotzdem abgeregelt, statt genutzt. Unsere Forderung, die zeitliche Erweiterung des §13k EnWG, öffnet die Tür: In den Stunden, in denen Wind und Sonne den Preis ins Negative drücken, soll der Strom an der Schnellladesäule nutzbar werden. Nicht abregeln — nutzen. Davon profitieren am Ende alle, nicht nur die mit E-Auto.
Zum Schluss, ein bisschen bitter.
Anfang 2026 trieb ein Ölpreis-Schock — Iran-Krieg, die gesperrte Straße von Hormuz — den Preis von rund 72 auf über 120 Dollar je Barrel. In Deutschland heißt das: teurere Tankrechnung, ein paar Schlagzeilen, Unmut. Ein Preisproblem. Auf der anderen Seite des Planeten heißt derselbe Schock etwas anderes:
Sri Lanka: Jede zweite Rücküberweisung hängt am Nahost-Raum; bricht die Beschäftigung am Golf weg, verlieren Zehntausende Familien ihre Lebensgrundlage.
Bangladesch: Ein Drittel des Gases kommt als teures Import-LNG aus Katar und Oman; als die Lieferungen stockten, fielen die Textilfabriken auf 30–40 % Auslastung — über 100.000 Näherinnen und Näher haben im vergangenen Jahr ihren Job verloren.
Indien: Zwei Seiten zugleich — wegbrechende Jobs am Golf und einbrechende Export-Aufträge.
Das ist kein Preisproblem mehr. Das ist ein Versorgungsproblem — Existenzen, nicht Schlagzeilen.
Zum Glück hat Deutschland nur ein Preisproblem. Und der deutsche Tankrabatt? Er verbilligt bei uns für ein paar Wochen den Liter — am anderen Ende der Welt hilft er keinem einzigen Menschen, der gerade wegen der Energieknappheit seinen Job verliert. Den Sprit, über dessen Preis wir uns ärgern, verfahren wir derweil munter weiter — denselben fossilen Brennstoff, dessen Lieferketten dort Existenzen vernichten. Es gäbe einen Strom, der diese Kette nicht braucht. Er weht und scheint längst über uns. Wir müssten ihn nur nutzen.
Wenn du das Projekt magst: Die stärkste Währung ist die Empfehlung. Leite diesen Newsletter weiter und ladeFreun.de ein!
Sonnige Grüße, das Ladefreunde-Team
❦ Energiewende er-fahrbar machen! Und ladeFreun.de ein!
◆ |