Der Anteil, der mitredet
Eine Beteiligung ist kein Geldbetrag. Sie ist ein Stimmrecht, ein Aufsichtsratssitz und ein Platz in dem Raum, in dem über das nächste Jahrzehnt geredet wird.
Wer in Deutschland auf diesen Plätzen sitzt, hat sich in zwanzig Jahren verschoben.
Foto: RWE-Kraftwerk Niederaußem — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Achim Raschka
Strom
Beim größten deutschen Stromerzeuger ist der größte Einzelaktionär der Staatsfonds Katars. Seit dem 15. März 2023, mit 9,09 Prozent. Der Einstieg lief über eine Pflichtwandelanleihe über 2,4 Milliarden Euro, die in 67,6 Millionen neue Aktien gewandelt wurde. Das Geld finanzierte den Kauf eines amerikanischen Erneuerbaren-Geschäfts.
Ein Staat, dessen Haushalt am Verkauf von Erdgas hängt, ist damit erster Anteilseigner des Konzerns, der in Deutschland den Kohleausstieg organisiert und Windparks baut.
Autos
| Unternehmen | Eigentümer aus der Golfregion | Anteil |
|---|---|---|
| Volkswagen (Stammaktien) | Qatar Holding LLC | 17,0 % der Stimmen |
| Porsche AG (Vorzugsaktien) | Qatar Investment Authority | rund 4,7 % |
| Mercedes-Benz Group | Kuwait Investment Authority | 5,57 % |
Bei Volkswagen entspricht das rund 10,4 Prozent des Gesamtkapitals, und Katar sitzt im Aufsichtsrat — vertreten durch den Chef des Staatsfonds und eine frühere katarische Ministerin. Kuwait ist bei Mercedes seit 1974 dabei, der Einstieg fiel in die Jahre nach der ersten Ölkrise. Diese Verbindungen sind älter als die Antriebsdebatte, um die es heute geht.
Die vollständige Eigentümerlage der deutschen Hersteller, inklusive der chinesischen Anteile bei Mercedes, steht in einem eigenen Beitrag:
Bank, Technik, Schifffahrt — und ein ganzer Konzern
Dazu kommen rund 6,1 Prozent an der Deutschen Bank, gut 3 Prozent an Siemens und 12,3 Prozent an der Reederei Hapag-Lloyd. Diese Zahlen stammen aus Erhebungen von 2022 und 2024; Staatsfonds veröffentlichen ihre Bestände nicht laufend, aktuellere Werte sind nicht öffentlich.
Der größte Schritt kam dann nicht aus Katar, sondern aus Abu Dhabi. Im Dezember 2025 wurde die Übernahme des Leverkusener Kunststoffkonzerns Covestro durch XRG vollzogen, die Investmentplattform des staatlichen Ölkonzerns ADNOC. Kaufpreis 14,7 Milliarden Euro — die bislang größte Übernahme eines deutschen Konzerns durch ein arabisches Staatsunternehmen. Die Zentrale bleibt in Leverkusen, das Management bleibt im Amt.
Foto: Covestro in Leverkusen — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 3.0 / JohnWilliamDoe
Covestro stellt Kunststoffe her. Der Rohstoff dafür kommt aus der Petrochemie. Ein Ölkonzern kauft also den Abnehmer seines eigenen Produkts — und sichert sich damit die Nachfrage für die Zeit, in der Öl nicht mehr verbrannt, aber weiter verarbeitet wird.
Was Anteile zeigen und was nicht
Über die Antriebsstrategie eines Herstellers sagen Beteiligungsquoten nichts. Dafür müsste man Beschlüsse kennen, die nicht öffentlich sind.
Was sie zeigen, ist schlichter: wer mitentscheidet — und mit welchen Interessen jemand in den Raum geht. Ein Eigentümer, dessen Staatshaushalt an fossilen Exporten hängt, sitzt bei Unternehmen am Tisch, deren Produkte gerade aufhören, fossile Energie zu verbrauchen.
Ob das je eine Entscheidung verändert hat, lässt sich in den meisten Fällen nicht sagen. In einem Fall lässt es sich sagen, und zwar genau. Der steht im nächsten Teil.
→ Als der Eigentümer Nein sagte
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Der Anteil, der mitredet
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