Der zweite Ort, an dem gerechnet wird: die Werkstatt
Über ein Auto wird an zwei Orten gerechnet. Der eine liegt in Wolfsburg, Stuttgart und München, bei denen, denen die Hersteller gehören. Der andere liegt näher: in der Werkstatt um die Ecke, bei dem Betrieb, der von dem lebt, was an einem Fahrzeug regelmäßig zu tun ist.
Der zweite Ort erklärt mehr über den Autokauf, als die meisten vermuten.
Foto: Fahrzeug auf der Hebebühne in einer Werkstatt. — via Wikimedia Commons — CC BY 2.0 / Shixart1985
Was ein E-Auto der Werkstatt nimmt
Ein Elektroauto braucht keinen Ölwechsel, keinen Zahnriemen, keine Zündkerzen, keinen Auspuff, keine Kupplung. Weil es beim Bremsen den Motor als Generator nutzt, hält auch die Bremse länger. Es kommt seltener in die Werkstatt, und wenn es kommt, wird weniger getauscht.
Für den Fahrer ist das eine gute Nachricht. Für den Betrieb, der davon lebt, ist es eine Umsatzfrage.
Eine Zahl aus einem Land, das weiter ist als wir: Der VW-Importeur in Norwegen erzielt bei Elektrofahrzeugen einen um 46 Prozent niedrigeren Werkstattumsatz als bei vergleichbaren Verbrennern. Für Deutschland rechnet der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe für 2025 mit 7,73 Milliarden Euro Umsatzpotenzial in der großen Wartung — 3,6 Prozent weniger als 2018.
Die Reaktion der Branche lässt sich an den Garantien ablesen. Kia gibt sieben Jahre, Mazda sechs; Toyota bindet mit „Relax" bis zu 15 Jahre oder 250.000 Kilometer — Bedingung ist die jährliche Inspektion in der Vertragswerkstatt. Rund 60 Prozent der Fahrzeuge zwischen einem und zehn Jahren kommen dort an.
Warum im Autohaus selten das E-Auto empfohlen wird
Die Uscale-Studie zum Autokauf befragte im Mai und Juni 2024 4.445 Menschen im deutschsprachigen Raum. Ihr Befund zur Beratung: Die Kaufberatung zu Elektroautos hat sich verbessert und liegt weiterhin deutlich hinter der zu Verbrennern. Nach dem Händlerbesuch hatten nur rund 40 Prozent das Gefühl, bei der richtigen Marke zu suchen.
Die Erklärung liegt in den Anreizen. Ein Verkäufer empfiehlt, was er kennt, was ihm Rückfragen erspart und woran sein Haus über Jahre verdient. Ein Fahrzeug, das alle zwei Jahre zur Inspektion kommt, ernährt ein Autohaus länger als eines, das kaum etwas braucht.
Am meisten verdient das Haus am Fahrzeug mit zwei Antrieben. Ein Plug-in-Hybrid hat Verbrennungsmotor, Abgasanlage, Getriebe und Batterie, Leistungselektronik, Ladetechnik — er vereint beide Wartungswelten in einem Auto. Seit 2026 ist er in Deutschland erstmals förderfähig.
Und was das mit uns zu tun hat
Wer elektrisch fährt, verlagert seine Kosten: weg von Wartung und Kraftstoff, hin zum Strompreis. Damit entscheidet sich die Rechnung eines Haushalts nicht mehr an der Werkstattrechnung, sondern an der Steckdose.
Genau dort liegt der Hebel, um den es dieser Initiative geht. Es gibt Stunden, in denen im Netz mehr sauberer Strom zur Verfügung steht, als abgenommen wird — und in denen Windräder abgeregelt und dafür vergütet werden. In genau diesen Stunden stehen Millionen Fahrzeuge an Kabeln, die geladen werden müssen.
Wer will, dass sich das E-Auto rechnet, muss diese beiden Enden zusammenbringen. Das ist billiger als jede Kaufprämie.
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Der zweite Ort, an dem gerechnet wird: die Werkstatt
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