80 Milliarden Euro im Jahr — verfeuert. Was deutsche Wasserkraft seit 100 Jahren anders macht.
Foto: Pipeline-Array Walchenseekraftwerk, geo.hlipp.de, via Wikimedia Commons — CC BY-SA 2.0
80,7 Milliarden Euro pro Jahr für fossile Importe ins Ausland — versus 37 Milliarden Euro Investitionen in heimische Erneuerbare. Das eine ist verbrannt. Das andere wirkt 30 bis 50 Jahre. Das Walchenseekraftwerk zeigt das seit 102 Jahren.
Was Deutschland jedes Jahr verfeuert — und was es dafür nicht baut
80,7 Milliarden Euro. So viel hat Deutschland im Jahr 2023 für den Import fossiler Energie ins Ausland überwiesen — Öl, Gas, Kohle. 2024 waren es noch rund 76 Milliarden Euro. Bis zu 97 Prozent des Öls und 95 Prozent des Gases muss Deutschland einkaufen, weil es selbst keines hat.
Geld, das ins Ausland fließt, ist Geld, das konsumiert wird. Es kommt nicht zurück. Es schafft hier keine Wertschöpfung, keine Arbeitsplätze, kein Wissen. Es wird verbrannt — wörtlich.
Zum Vergleich: Die gesamten Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland lagen im selben Jahr 2023 bei rund 37 Milliarden Euro. Weniger als die Hälfte dessen, was jedes Jahr ins Ausland verschwindet.
Und das Entscheidende: diese 37 Milliarden bauen etwas, das 30 bis 50 Jahre wirkt. Eine Windkraftanlage hält gut 25 Jahre, eine Photovoltaik-Anlage gut 30, ein Wasserkraftwerk im Schnitt deutlich über 80 Jahre. Wer fossile Energie kauft, kauft Wärme für einen Winter. Wer in Anlagen investiert, kauft Strom für eine Generation.
Wasserkraft: Deutschlands älteste Energiewende
Wer in Deutschland sehen will, was eine mehrgenerationen-wirksame Investition ist, fährt nach Bayern. Am 26. Januar 1924 — vor gut 102 Jahren — speiste das Walchenseekraftwerk erstmals Strom in das Netz des Bayernwerks ein. Geplant und durchgesetzt hatte das ein Mann namens Oskar von Miller, Gründer des Deutschen Museums und Visionär einer öffentlichen Stromversorgung. Sechs Jahre lang, von 1918 bis 1924, hatten Tausende Arbeiter Stollen in die Alpen getrieben, um den 200 Meter Höhenunterschied zwischen Walchensee und Kochelsee in Strom zu verwandeln.
Mit 124 Megawatt Leistung war das Walchenseekraftwerk damals eines der größten Wasserkraftwerke der Welt. Es läuft heute noch. Mehr als ein Jahrhundert nach Inbetriebnahme produziert es jährlich rund 300 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom — genug für etwa 80.000 Haushalte. Der Betreiber heißt heute Uniper. Das Wasser ist dasselbe wie 1924. Die Druckrohre sind dieselben. Die Investition wirkt seit fünf Generationen.
Vom Wirtschaftswunder bis zur Wende — Deutschlands Pumpspeicher-Welle
Nach dem Zweiten Weltkrieg explodierte der Strombedarf in der Bundesrepublik. Zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren entstand die zweite Welle deutscher Wasserkraft: die Pumpspeicher-Kraftwerke. Sie sind keine Stromerzeuger im klassischen Sinn — sie sind Akkus mit Wasser. Bei Stromüberschuss pumpen sie Wasser in ein Oberbecken; wird Strom gebraucht, lassen sie es zurückfließen und gewinnen daraus Energie.
Drei Anlagen prägen das deutsche Pumpspeicher-Bild:
- Wendefurth (Harz, Sachsen-Anhalt) — Baubeginn 1960 unter DDR-Verantwortung, Inbetriebnahme 1967. Zwei Maschinensätze, 80 MW Leistung. Vattenfall betreibt die Anlage heute. 45 Jahre lief sie ohne Hauptrevision durch.
- Markersbach (Erzgebirge, Sachsen) — DDR-Bau, 1.050 MW — eines der größten Pumpspeicherwerke Europas.
- Goldisthal (Thüringer Wald) — Planungs-Start 1965 in der DDR, Bau unterbrochen, ab 1990 unter neuer Verantwortung weitergeführt, 2003 in Betrieb gegangen. 1.060 MW Leistung. Baukosten: 623 Millionen Euro. Größtes deutsches Pumpspeicherwerk.
Insgesamt hat Deutschland heute 31 Pumpspeicherwerke mit zusammen rund 6 Gigawatt Leistung — gebaut von Vattenfall, EnBW, RWE, Uniper, und vor 1990 von DDR-Betrieben. Investitionen, die jahrzehntelang wirken, statt ein einzelner Winter Heizöl.
Die zweite Säule: 6.900 kleine Anlagen an Flüssen
Neben den Pumpspeichern hat Deutschland eine zweite Wasserkraft-Geschichte: die Laufwasserkraft. Insgesamt 6.900 Anlagen mit jeweils unter 1 Megawatt Leistung stehen an deutschen Flüssen, Bächen und Wehren — viele davon seit über 100 Jahren in Betrieb, oft schon vor dem Ersten Weltkrieg errichtet. Hinzu kommen 436 große Laufwasser-Anlagen über 1 MW.
Zusammen erzeugt deutsche Wasserkraft 21 Terawattstunden pro Jahr — rund 4 Prozent der gesamten Stromerzeugung. Das ist nicht viel. Aber sie liefert seit über einem Jahrhundert ohne Brennstoff-Import, ohne Lieferketten-Risiko, ohne Krieg, der den Hahn zudreht. Die Investition wurde einmal gemacht — von unseren Urgroßeltern. Wir nutzen sie noch heute.
Die Lehre für 2026
Die 80 Milliarden Euro, die Deutschland jedes Jahr für fossile Importe ins Ausland überweist, sind kein Naturgesetz. Sie sind eine politische Entscheidung über Konsum versus Investition.
Was die Generation unserer Urgroßeltern in den Alpen, im Harz und im Erzgebirge gebaut hat, liefert noch heute. Was wir an Heizöl, Erdgas und Diesel importieren, ist morgen verbrannt. Und in zwanzig Jahren werden wir dieselben Fragen wieder stellen.
Unsere Petition zielt genau auf diesen Hebel: die bereits gebauten Speicher und Erzeuger besser zu nutzen. 159 Gigawattstunden Akku-Kapazität stehen in deutschen E-Auto-Garagen. 6 Gigawatt Pumpspeicher stehen seit Jahrzehnten am Netz. Was fehlt, ist das Marktsignal, das diese Investitionen voll zur Wirkung bringt.
Ein Laderabatt — kostenlose Schnellladung in den Stunden negativer Strompreise — ist kein Subventions-Programm. Es ist die Aktivierung dessen, was die Generationen vor uns und wir selbst längst gebaut haben.
→ Quellen: Bloss MdEP — 80 Mrd Fossil-Importe · business-punk: 80 Mrd. einfach weg · Walchenseekraftwerk Uniper · BDEW Wasserkraft DE
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